Autograf: Northumberland Archives Ashington (GB-AS), Sign. SANT/BEQ/4/11/071
Abschrift: ebd., Sign. SANT/BEQ/4/11/072 (engl. Übersetzung)

Cassel den 4ten
August 30.

Geehrtester Herr und Freund,

Am 28sten Juli und am 2ten August ist hier eine neue Oper1 von mir mit dem allergrößten Beyfall gegeben worden. Ich bin so frei, Ihnen das Buch zur gefälligen Ansicht zu übersenden und wünsche, daß Sie es in Ihrem Theater anpassend finden und recht bald in Scene setzen mögten.
Der Zweikampf mit der Geliebten hat immer noch nicht gegeben werden können, da wir nach der Flucht der Heinefetter2, wodurch die, auf den Geburtstag des Kurfürsten angesetzte Aufführung unterbleiben mußte; noch keine Sängerin wieder aquirirt haben, deren Gestalt für die Rolle der Isabelle passend wäre. Ich bin darüber um so ungeduldiger, da ich von der Oper in ihrer neuen Gestalt recht viel Wirkung erwarte. Sollten Sie, nachdem Sie sich hier bewährt hat, eine Abschrift zu erhalten wünschen, so steht sie natürlich jeden Augenblick unentgeltlich zu Diensten.
Schließlich bitte ich um bald gefällige Einsendung des Honorars für Faust, da ich in einem Bau3 begriffen, bald große Zahlungen zu machen habe.
Mit vorzüglicher Hochachtung und Freundschaft ganz

der Ihrige
Louis Spohr

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Schmidt, Friedrich Ludwig
Erwähnte Personen: Heinefetter, Sabine
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : <%Der%> Alchymist
Spohr, Louis : <%Der%> Zweikampf mit der Geliebten
Spohr, Louis : Faust
Erwähnte Orte: Kassel
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1830080414


Dem Inhalt zufolge richtet sich dieser Brief an ein Mitglied einer Theaterleitung, das kurz zuvor Spohrs Faust gespielt hatte. Die prominente Inszenierung in Berlin scheidet für diesen Brief aus, da Spohr hier das Libretto für seinen Alchymist mit einem Brief an Friedrich Töpfer, 29.07.1830 gesandt hatte. Die Faust-Inszenierung am Theater in Königsberg wiederum setzt bereits voraus, dass das Aufführungsmaterial bereits für Konzertzwecke vorhanden war, also nicht mehr direkt von Spohr beschafft werden musste (vgl. „Königsberg, von Ostern 1829 bis Michael 1830“, in: Allgemeine musikalische Zeitung 32 (1830), Sp. 713-719, hier Sp. 717f.). Für Friedrich Ludwig Schmidt als Adressaten spricht zunächst, dass der letzte belegte Brief von Spohr an Schmidt, 27.08.1829 auch bereits nicht nur Faust, sondern auch Der Zweikampf mit der Geliebten erwähnt. Der Antwortbrief des Adressaten vom 20.08.1830 ist derzeit nur durch den autografen Entwurf auf diesem Brief überliefert. Der Vergleich der Handschrift mit dem ebenfalls als Entwurf auf dem Vorbrief notierten Briefen Schmidt an Carl Maria von Weber, 10.04.1821 und Schmidt an Spohr, 16.03.1826 stützen diese Zuschreibung.

[1] Der Alchymist (vgl. „Aus Kassel vom 3. August 1830 (Eingesandt)”, in: Berliner allgemeine musikalische Zeitung 7 (1830), S. 270ff., 278f. und 286ff., zur Aufführung hier S. 288; „Kassel, 29. Juli”, in: Allgemeine Preußische Staats-Zeitung (1830), S. 1634f.; „Theatralisches”, in: Figaro. Zugabe zur Flora 1 (1830), S. 28; „Cassel”, in: Harmonicon (1830), S. 437).

[2] 1829 kam Sabine Heinefetter unter Bruch ihres Arbeitsvertrags von einer Ferienreise nicht zurück und nahm zunächst ein Engagement in Hamburg an (vgl. „Ueber die Oper des Kurfürstlichen Hoftheaters zu Cassel“, in: Allgemeine musikalische Zeitung 31 (1829), Sp. 547ff., hier Sp. 548; Hans Joachim Schaefer, „Geschichte des Theaters in Kassel 1814-1959 unter besonderer Berücksichtigung des Schauspiels 1814-1944“, in: Theater in Kassel. Aus der Geschichte des Staatstheaters Kassel von den Anfängen bis zur Gegenwart, hrsg. v. Christiane Engelbrecht, Wilfried Brennecke, Franz Uhlendorff und Hand Joachim Schaefer, Kassel 1959, S. 103-220, hier S. 125; Reinhard Lebe, Ein deutsches Hoftheater in Romantik und Biedermeier. Die Kasseler Bühne zur Zeit Feiges und Spohrs (= Kasseler Quellen und Studien 2), Kassel 1964, S. 149).

[3] Vgl. „Inzwischen war nun in meinem Hause ein bereits im vorigen Sommer nach der Zeichnung meines Schwiegersohnes Wolff begonnener Bau vollendet. Hierdurch gewann ich außer einigen häuslichen Räumen insbesondere einen bei unsern Quartettpartien längst vermißten Musiksaal […]“ (Louis Spohr, Lebenserinnerungen, hrsg. v. Folker Göthel, Tutzing 1968, Bd. 2, S. 152, Text mit fehlerhafter Paginierung auch online).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (27.06.2025).