Autograf: nicht ermittelt
Abschrift: Stadtarchiv Eisenach (D-EIa), Sign. B XXXV C 10, Bl. 18/19
Druck 1: Paul Michel, Die Ausbildung des Orchestermusikers im 19. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Geschichte der Musikerziehung unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse in Thüringen, Phil. Diss. Humboldt-Univ. Berlin 1957, Bd. 1, S. 247 (teilweise)
Druck 2: ders., „Die pädagogischen Ansichten Louis Spohrs und ihre Beziehungen zum Philanthropismus”, in: Louis Spohr. Festschrift 1959, hrsg. v. Günther Kraft, Paul Michel und Hans Rudolf Jung, Weimar 1959, S. 26-61, hier S. 43

Cassel d. 18. April 1827

Hochwohlgeborener Herr,
Hochverehrtester Herr Domaine-Rath!

Ganz zufällig bin ich im Stande, für die erledigte Stelle des Stadtmusikus in Eisenach in dem Ueberbringer dieses Schreibens einen tüchtigen Mann, wie ich glaube, und einen sehr braven Musiker, wie ich durch eigenen Prüfung weiß, vorzuschlagen. Es ist dieß Herr Rose1 aus Ronneburg, Sohn des daselbst kürzlich verstorbenen Stadtmusikus2. Er ist als Geiger, Schüler des Konzertmeisters Maurer in Hannover, als Hauboist, Schüler seines dort in der Kapelle angestellten Bruders3 und leistet auf beiden Instrumenten recht Bedeutendes. Außerdem bläst er Clarinette, Flöte und hat die nöthige Kenntniß auf den übrigen Instrumenten um Unterricht geben zu können. Auch spielt er etwas Klavier, hat die Theorie studiert und Versuche in der Komposition gemacht, die Talent verrathen sollen. Was ihn für die vakante Stelle außerdem noch eignet, ist der Umstand, daß er in der Erbschaft seines Vaters das nöthige Inventarium an Instrumenten, Musikalien usw. besitzt, und daß eine ältere Schwester, die bey seinem Vater bis jetzt die Haushaltung geführt hat, zu ihm ziehen und bis zu seiner einstigen Verheyratung bey ihm wirthschaften kann.
Der junge Rose war zufällig zu Besuch bei einem Onkel4 hier, der Mitglied unseres Orchesters ist. Dieß brachte mich auf die Idee, ihn zu der vakanten Stelle vorzuschlagen. Ich ließ ihn kommen, machte ihm den Vorschlag und da er ihn freudig aufnahm, und sich sogleich bereit erklärte, nach Eisenach zu reisen, so prüfte ich ihn auf seinen beiden Hauptinstrumente, und fand ihn so über meiner Erwartung gut, daß ich mich Ihnen und der übrigen dortigen Musikfreunde gefällig zu zeigen glaubte, wenn ich ihn sogleich übersende.
Haben Sie nun die Gewogenheit, ihm der Behörde, welche die Stelle zu besetzen hat, gefälligst vorzustellen, und entspricht er bey der Prüfung und im Uebrigen allen Anforderungen, so würde es ihm sehr lieb seyn, wenn man mit ihm sogleich abschlösse, damit er dann die nöthigen Vorkehrungen zu seinem Anzuge treffen könnte.
Mit vorzüglicher Hochachtung und Ergebenheit habe ich die Ehre zu seyn.

Ew Hochwohlgeborenen
ergebenster Diener
Louis Spohr.

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Boyneburgk, Friedrich Karl August von
Erwähnte Personen: Rose, Friedrich Wilhelm (Eisenach)
Rose, Friedrich Wilhelm (Hannover)
Rose, Friedrich Wilhelm (Ronneburg)
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Eisenach
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1827041817


Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Boyneburg an Spohr, 24.11.1824. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Boyneburg an Spohr, 10.04.1834.

[1] Friedrich Wilhelm Rose (Eisenach).

[2] Friedrich Wilhelm Rose (Ronneburg).

[3] Sicherlich der Oboist Friedrich Wilhelm Rose (Hannover), der aufgrund der gleichen Vornamen vermutlich aber nicht ein Bruder, sondern eher ein Vetter des späteren Eisenacher Stadtmusikers sein dürfte.

[4] Noch nicht ermittelt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (10.12.2024).