Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287
Herrn Capellmeister
Louis Spohr
in
Cassel
frey1
Hambrg2 d. 25t Nov.
Mein werthester Freund,
Hoffentlich kommen diese Zeilen noch früh genug wegen kleinen Abänderungen im Namens Verzeichnisse.
1) statt Betty v. Hosstrup lies Frau von Hosstrup
2) – C. Sieveking = Frau Syndici Sieveking (oder Syndica Siev. wie Sie es für gut halten)
3) – Elise Meier = Elise Meier, geb. Klünder
4) – Dulcken = August Dulcken
5) – A. Oppenheimer = Adele Oppenheimer
Ich freue mich sehr zu Ihren Oratorium u sehr lieb ist es mir daß ich Ihren Bogen vor Clasings Exp. erhalten habe, der seinen Belsazar auf Subscript. herausgeben will. Unter den Liebhabern sind leider hier so wenige die ein solches Werk benutzen können, sonst hätte ich Ihnen 50 Unterschriften verschaffen wollen.
Im Februar Monath werde ich mein Oratorium im Apollo Saal auf Subscription aufführen, man will doch auch etwas für die Mühe haben, u. die 10 Jahre wo ich die Academie gehalten habe ich auch noch keinen Schilling für meine Arbeit gehabt. Hatt [man]3 Frau und Kind muß man auch schon mehr hinter dem Gelde her seyn. – Haben Sie schon von Dr. Schneider gehört? – er hat im vergangenen April seine Wohnung nolens, volens räumen müßen. Seit Jahren hat sein Wirth kein Geld von ihm bekommen können u. ihm am Ende herausgesetzt. Die 20000 fl die er vom Vater erbte, hat er rein aufgegessen u ist nun in dem kranklichsten Zustand. Auf seine ersten Bitten um Unterstützung haben seine Freunde ihn auch reichlich gespendet, da er aber dieses wieder verzehrt u. sich gar nicht um Arbeit bekümmert hat, so haben es ihm alle seine Freunde zum zweiten Mal abgeschlagen. Vor acht Tagen traf ich ihn nun selbst unterwegs, wie groß aber war mein Erstaunen als ich den schmutzigsten Bettler vor mir sah. Sein Hemd war mit Schmiere von oben bis unten besetzt, Wäsche versch[mutzt]4, zerrissene Stiefel, dabei das Haar ganz wild – . es [ist]5 schrecklich! Auf meine Vorstellungen, daß er doch wohl jetzt etwas zu arbeiten hätte, erwiederte er, daß er nichts bekommen könne, und dann u wann sey er bei einem Buchhändler mit Correctur beschäftigt, das bringt ihm dann des Tags 6 Schillinge ein. Der ist gewiß verloren, wer wird sich noch eines so schmutzigen Menschen annehmen? – Ich schenkte ihm auf sein Bitten: ob ich nicht noch etwas für ihn hätte, ein paar Drittel – u hoffe nun ihn auch wieder zu sehen da mich noch immer sein Bild verfolgt – Ihrer lieben Frau u Ihren treflichen Kindern meinen schönsten Gruß.
Ihr treuer Freund W. Grund.
| Autor(en): |
Grund, Wilhelm |
| Adressat(en): |
Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: |
Dulcken, August Hosstrup, Betty von Meier, Elise Oppenheimer, Adele Schneider (Hamburg) Sieveking, Caroline |
| Erwähnte Kompositionen: |
Clasing, Johann Heinrich : Belsazar Spohr, Louis : Die letzten Dinge |
| Erwähnte Orte: | |
| Erwähnte Institutionen: | |
| Zitierlink: | https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1826112539 |
Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Grund an Spohr, 17.11.1826. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Grund an Spohr, 11.03.1835.
[1] Auf dem Adressfeld befindet sich rechts oben der Poststempel „HAMBURG / FTH[uTAX.O.P.A] / 25. Nov.“, auf der Rückseite des zusammengefalteten Briefumschlags befindet sich der Stempel „[???]NOV 18[35]“.
[2] Sic!
[3] Textverlust durch Siegelausriss.
[4] Textverlust durch Siegelausriss.
[5] Textverlust durch Siegelausriss.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (27.07.2026).