Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287
Hamburg, d. 21 Sept 1825
Lieber Herr Kapellmeister
Ihren letzten Brief bekam ich an demselben Tage, an welchem Sie mit Ihrer Frau und Emilie in Eisenach ankommen wollten, deshalb war es mir unmöglich, so sehr ich es wünschte, Sie noch einmal vor meinem Abgange von Meiningen zu sehn; – er erfolgte 2 Tage darauf, der Herzog hat sich dennoch als ein höchst liebenswürdiger Mann bey dieser Sache gezeigt, da er mit seiner Familie in Altenstein geblieben war, mußte ich ihm die Bitte um meine Dienstentlassung schrftlich sagen, bald darauf bekam ich wieder eine schriftliche Antwort von ihm, auf die ich stolz seyn könnte. – Er hat mich gebeten, das Engagement (engagirung)1 meines Nachfolgers zu übernehmen. ich bitte aber Sie, liebster Herr Kapellmeister, bey Ihrer genauen Kenntniß der dazu passenden Individuen mir jemand dazu vorzuschlagen. – Der Herzog liebt nichts weniger als Arrogance u. sagte mir, er wünsche, wenn es möglich wäre, einen Direktor zu bekommen, der gerade so sey als ich. – Wenn die übrigen Meininger nur den 50ten Theil von des Herzogs liebevollen Herzen erhalten hätten und vor Allem mit2 mehr Liebe zur Kunst begabt wären, dann säße ich heute noch dort. –
Jetzt vor Allem Anderen meinen herzlichen Glückwunsch der guten Ida zu Ihrem Brautstande; möge der Himmel ihr das viele Gute, welches sie schon besitzt, erhalten, ihr liebreiches Gemüth, ihren Frohsinn namentlich! – Meine Reise hab ich diesmal nicht über Cassel gemacht, weil mein Gepäck so bedeutend war, daß ich einen eigenen Wagen nehmen mußte, welcher mich dann den viel nähern Weg über Witzenhausen u. Göttingen führte. –
Alles in unserm Hause wünscht sehnlich Sie einmal wieder in unserm Hamburg zu sehn; diesen Augenblick ist die Grünbaum hier und entzückt durch ihren göttlichen Gesang, gestern hörte ich sie im Othello, worin sie Wilhelm u. mich hinriß. – Wilhelms Hochzeit ist den 2ten Oct., er ist sehr vergnügt und bekommt eine allerliebste Frau; – auch Beer mit meiner Schwester3 waren hier. So auch ist mein Bruder Caesar jetzt von Spanien zurückgekehrt u. meine Mutter ist ganz glücklich, daß sie einmal wieder so viele Kinder beysammen hat.
Herzliche Grüße allen Ihrigen von mir und allen Grund’s. –
Ihr Sie herzlich liebender
Eduard Grund
| Autor(en): |
Grund, Eduard |
| Adressat(en): |
Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: |
Beer, Johann Adolph Beer, Julie Bernhard II Sachsen-Meiningen, Herzog Grünbaum, Therese Grund, Caesar Grund, Christiane Eleonore Grund, Wilhelm Spohr, Dorette Wolff, Ida Zahn, Emilie |
| Erwähnte Kompositionen: |
Rossini, Gioachino : Otello |
| Erwähnte Orte: |
Eisenach Göttingen Hamburg Kassel Meiningen Witzenhausen |
| Erwähnte Institutionen: |
Stadttheater <Hamburg> |
| Zitierlink: | https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1825092139 |
Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief von Spohr an Grund. Spohrs Antwortbrief vom 03.10.1825 ist derzeit ebenfalls verschollen.
[1] „(engagirung)“ über der Zeile eingefügt.
[2] „mit“ über der Zeile eingefügt.
[3] Julie Beer.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (10.07.2026).