Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287
Herrn Capellmeister Spohr
in
Cassel
durch Güte1
Bremen den 2t Jan.
1825
Erlauben Sie mir lieber Herr Spohr mein Bild Ihrem Gedächtniß zurückzurufen, indem ich mir die Freiheit nehme, Ihnen einen Freund unseres Hauses vorzustellen. Herr Eggers, ein großer Musikliebhaber, und einer unsrer besten Dilettanten sowohl auf der Violine, als im Gesang, in Hinsicht musikalischer Kenntnisse – Eine Geschäftsreise, die ihn nach Cassel führt, erregte sehr lebhaft den Wunsch in ihm, Ihnen und Ihrer Familie Bekanntschaft persönlich zu machen, von deren Liebenswürdigkeit und hohem anerkannten Werth er so unendlich viel gehört –. Ihre sehr geistreichen Compositionen sind ihm vollkommen bekannt, und erweckten um so mehr das Verlangen in ihm, den Schöpfer derselben näher zu sehen –. Wie hätte ich seiner dringenden Bitte widerstehen können, ihm zur Erfüllung seines Wunsches behülflich zu seyn? – um so mehr, da ich Ihre Güte und Freundlichkeit gegen meinen lieben Bruder Eduard2, meinen Mann und meine Töchter, so vielfach zu erkennen Gelegenheit hatte – wofür ich Ihnen und den lieben Ihrigen ewig dankbar bleiben werde –. Wenn es nur mit Eduard nicht noch immer so zweifelhaft stände! wir sind oft recht traurig darüber – doch hoffe ich viel von Töplitz, und überhaupt vom Süden für sein Uebel, welches doch gewiß rheumatisch ist.
Von ganzem Herzen hoffe und wünschen wir alle, daß Sie mit Ihrer lieben Familie das neue Jahr in Gesundheit und Freude angetreten haben – und der Himmel Ihnen erhalten möge, was Ihnen li[eb]3 und theuer ist; und daß alle Ihre Wünsche erfüllt werden mögen! –
Alle die meinigen sind wohl und vergnügt, und Auguste und Meta tragen mir besonders viel herzliche Grüße an Sie, Ihre liebe Frau, und Töchter auf – auch mein Mann empfiehlt sich Ihrem Andenken.
Leben Sie wohl, und entschuldigen Sie gütigst die Freiheit welche ich genommen – Empfehlen Sie mich den Ihrigen bestens – Ein höchst eiliges Lebewohl – leider – ruft Ihnen noch zu – Ihre Sie hoch verehrende und
ganz ergebene
Chr. Sengstack
geb. Grund.
| Autor(en): |
Sengstack, Christiane |
| Adressat(en): |
Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: |
Eggers Grund, Eduard Sengstack, Auguste Sengstack, Georg Friedrich Sengstack, Meta |
| Erwähnte Kompositionen: | |
| Erwähnte Orte: | |
| Erwähnte Institutionen: | |
| Zitierlink: | https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1825010244 |
[1] „Schließt man den Brief Jemanden zur Uebergabe bei, so schreibt man auf die Adresse: ,Durch Inlage‘ – ,durch Beischluß‘ – ,durch Einschluß‘ – ,durch Güte‘ oft auch abgekürzt nur die Anfangsbuchstaben: d. I. – d. B. – pr. E. – d. G. –“ (Neuester und vollständigster deutscher Universal-Muster-Briefsteller, sowie österreichischer Privat-Geschäfts-Secretär, welcher alle im bürgerlichen Leben vorkommenden schriftlichen Aufsätze zu verfassen lehrt, Bd. 1, o.O. [1842], S. 124).
[2] Eduard Grund.
[3] Textverlust durch Siegelausriss.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (26.08.2026).