Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Dresden d. 1t Decbr 1824.
Frauengasse No 409.

Verehrter Herr Capellmeister!

Was im jüngst verfloßenen Sommer nicht nach der Meinung des vorigen Herrn Intendanten zu Stande gekommen war, ist, wie Sie aus der Beilage sehen werden, nun gestern in Ausführung gekommen. Die Oper wurde mit allem Fleiß, und zwar in allen Theilen ans Licht gebracht und fand bei dem kunstsinnigen Theil des Publikums die geachteste Aufname1 von selber. Der Hof war gegenwärtig und sehr aufmerksam. Was sehr zum Vortheil des Werks, für das hiesige Verhältniß nehmlich spricht, war, daß ungeachtet seit vier Wochen nur Euryanthe und Rossinis Zelmira, also zwey ernsthafte Opern, gegeben wurden, doch die Spannung nicht nachgelassen und so wie ich mit Freude wiederhole, zu Gunsten der Oper ansprach. – Es ist Ihnen gewiß angenehm zu erfahren, das Graf Brühl bis jetzt noch auf seinem Ruhesitz Seifersdorff bei Dresden sich aufhaltend, gegenwärtig bei gestriger Vorstellung war, und die Aufführung in Berlin wohl nicht mehr lange verschoben werden dürfte.2 – Die Costumes waren sehr geschmackvoll u auch an der Ausstattung.
Sollte Ihrer Frau gelegen sein etwas Näheres detailirter zu vernehmen, befehle Sie über ihre Verehrer und Freunde. In diesem Augenblick verlasse ich den Hof, erfreut über die gestrige günstige Aufnahme.
Recht viel Schönes Ihrer verehrten Familie von meiner Tochter, auch für Sie, mit der Bitte um fortdauernd gütiges Andenken. Um Letzteres bitte auch ich, mit gewohnter Achtung u. Ergebenheit etc Ihr

aufrichtiger
Veltheim

Autor(en): Veltheim, Friedrich
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Brühl, Karl Moritz von
Veltheim, Charlotte
Erwähnte Kompositionen: Rossini, Gioachino : Zelmira
Spohr, Louis : Jessonda
Weber, Carl Maria von : Euryanthe
Erwähnte Orte: Dresden
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Dresden>
Königliche Schauspiele <Berlin>
Zitierlink: https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1824120147


Das letzte erhaltene Schriftstück dieser Korrespondenz ist Friedrich und Charlotte Veltheim an Spohr, 02.07.1824.

[1] Sic!

[2] Vgl. Karl Moritz von Brühl an Spohr, 10.02.1825.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (13.07.2026).