Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287
Sr. Wohlgeboren
Herrn
Hof-Capellmeister Spohr
in
Cassel.
d. G.1
Dresden den 26 Febr 1824.
Frauengasse No 409.
Hochzuehrender Herr Capellmeister!
Es ist eine schöne Sache, die Pünktlichkeit! rief ich, als das Definitivum Ihres erwarteten verehrten Schreibens vom 19t d. am 24t d. M. in meine Hand kam. Offenherzig! ich hatte nicht auf baldige Antwort gerechnet, da Ihre Gegenwart in Leipzig, bey Aufführung der Jessonda daselbst, durch die Blätter mir bekannt worden war. Innig haben wir uns über die Nachricht gefreut und die Theilname2 hierüber auszusprechen, läßt sich nicht unterdrücken. – Nunmehr da durch Ihre gütige Fürsorge zur freudigen Erreichung Alles sich aus ausgesprochen hat, bliebe nur noch der Wunsch: Eines Ihrer Werke, während unsrer Anwesenheit kennen zu lernen, weshalb wir hier suppliciren:
Damit in der getroffenen Wahl der Rollen und Opern keine Störung entstehe, ist wegen der Aline meiner Tochter noch zu erfahren nothwendig, welche Bearbeitung dort auf dem Hoftheater eingeführt ist? Ist es die welche auch in Berlin ist3, wo der Gesandte als Franzose mit Namen St. Phar erscheint4, entsteht kein Hinderniß; im entgegengesetzten Fall würde sie die Rolle nicht geben können, weil die andre Bearbeitung von Ihlée5 ganz von dem französischen Original abweicht.6 Die nothwendige Beehrung haben Sie die Gewogenheit, entweder Fräulein von Calenberg mündlich, zu übertragen, oder wenn es Ihnen genehm, mit ein paar Worten, bei Einsendung des erbetenen Vorschusses zu verfügen. Beim Nachsuchen des Letztern muß ich den von mir gemachten Irrthum, im Ausdruck der 24 tlr, statt 20 tlr hess, oder Convention, berichtigen – Wenn der Tag Klar-Wort erschiene, an selbem Tage, leben wir in der Hoffnung, doch vor Ihnen zu erscheinen. Alles Wohlergehen bis dahin, unter vollkommener Hochachtung von Ihrem
in Ehrfurcht Sie schätzenden
Fr. Veltheim
| Autor(en): |
Veltheim, Friedrich |
| Adressat(en): |
Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: |
Veltheim, Charlotte |
| Erwähnte Kompositionen: |
Berton, Henri-Montan : La reine de Golconde |
| Erwähnte Orte: |
Leipzig |
| Erwähnte Institutionen: |
Stadttheater <Leipzig> |
| Zitierlink: | https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1824022647 |
Dieser Brief ist die Antwort auf den derzeit verschollenen Brief Spohr an Veltheim, 19.02.1824. Das nächste erhaltene Schriftstück dieser Korrespondenz ist Friedrich und Charlotte Veltheim an Spohr, 02.07.1824.
[1] „Schließt man den Brief Jemanden zur Uebergabe bei, so schreibt man auf die Adresse: ,Durch Inlage‘ – ,durch Beischluß‘ – ,durch Einschluß‘ – ,durch Güte‘ oft auch abgekürzt nur die Anfangsbuchstaben: d. I. – d. B. – pr. E. – d. G. –“ (Neuester und vollständigster deutscher Universal-Muster-Briefsteller, sowie österreichischer Privat-Geschäfts-Secretär, welcher alle im bürgerlichen Leben vorkommenden schriftlichen Aufsätze zu verfassen lehrt, Bd. 1, o.O. [1842], S. 124).
[2] Sic!
[3] „welche auch in Berlin ist“ am linken Seitenrand eingefügt.
[4] Vgl. „Theater“, in: Berlinische Nachrichten 05.08.1820, nicht paginiert; siehe auch Personenverzeichnis in: [Karl Alexander Herklots], Aline, Königin von Golconda. Singspiel in drey Aufzügen, aus dem Französischen, München 1808, S. [1].
[5] „von Ihlée“ am linken Seitenrand eingefügt.
[6] Charlotte Veltheim trat in Cassel als Donna Anna in Don Giovanni von Wolfgang Amadeus Mozert, Agathe in Der Freischütz von Carl Maria von Weber, Jessonda in Spohrs gleichnamiger Oper sowie Clorinde in La Cenerentola und Amenaide in Tancredi von Gioachino Rossini auf (vgl. „Cassel“, in: Allgemeine musikalische Zeitung 26 (1824), Sp. 482ff. hier Sp. 483f.; „Cassel“, in: Gesellschafter (1824), S. 372).
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (13.07.2026).