Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Wohlgebohrn
Herrn Kapellmeister Spohr
in
Cassel

frey.1


Dresden, den 23sten Nov. 23

Hochgeehrtester Herr Capellmeister!

In der angenehmen Hoffnung daß Sie eine ergebenste Bitte Ihres Verehrers vielleicht nicht ganz unbeachtet lassen werden wage ich es Ihre Güte in Anspruch zu nehmen.
Unter dem Titel „Amphion, Geschenk für Freunde des Gesanges und Pianofortespiels“2 bin ich nämlich Willens ein Werkchen herauszugeben, und schmeichle mir mit der Hoffnung daß Sie es durch einen Gesang oder durch eine leichte Pièce für P.F. verschönen. Mehrere achtbare Künstler haben mir schon dieses Versprechen gethan, und unendlich glücklicher noch würde ich seyn dürfte ich auch Ihren gefeierten Nahmen darinnen aufzeigen. Sollte eine Fortsetzung dieses Werkes, die ich eigentlich wünsche, folgen, so würde Ihr Nahme gewiß alles dazu beytragen; daher bitte ich Sie recht sehnlichst um diese Aufopferung. Sollten Sie also die Güte für mich haben, so bitte ich ergebenst mir es so bald als möglich einzusenden.
Künftigen Freitag wird in unsern öffentlichen Quartetten Ihr neues Es dur producirt, und wir werden alle Kräfte aufbieten es so gut als nur möglich ist zu executiren.
In der Voraussetzung daß Sie meine Dreistigkeit entschuldigen werden, bitte ich noch, diesen Brief gefälligst abgeben zu laßen.
Unter vielen Empfehlungen an Ihre verehrte Familie bin ich Hochachtungsvoll

Ihr ergebenster Freund
Dotzauer.

Autor(en): Dotzauer, Justus Johann Friedrich
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Lieder, Sgst Kl, WoO 91
Spohr, Louis : Quartette, Vl 1 2 Va Vc, op. 58.1
Erwähnte Orte: Dresden
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1823112345


Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Dotzauer, 10.09.1809. Spohrs Antwortbrief ist derzeit verschollen.

[1] Auf dem Adressfeld befindet sich links oben der Poststempel „DRESDEN / 29. No[v]“; auf der Rückseite des zusammengefalteten Briefumschlags befindet sich der stark verwischte Stempel „[???] DEC182[3]“

[2] Vgl. Louis Spohr, „Nachgefühl“, in: Amphion, Geschenk für Freunde des Gesanges und Pianofortespiels, hrsg. v. J[ustus] J[ohann] F[riedrich] Dotzauer, Meissen: Goedsche 1824, S. 61ff..

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (12.02.2025).