Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287[Gehe:4
Sr. Wohlgeb.
Herrn Capellmeister
Spohr
zu
Cassel
frey.1
Dresden den 22sten Oktober 1823
Geehrter Herr und Freund,
Vorigen Freytag sandte ich den Plan zur neuen Oper2 an Sie ab, und da mich der Stoff interessirt, ich auch gerade Muße habe, so beschäftigte ich mich diese Tage hindurch, fortwährend mit der Dichtung, so daß ich Ihnen jetzt den 1sten Akt der Oper zu sende, damit Sie bey Beantwortung des vorigen Briefes auch den jetzigen gleich mit berücksichtigen können und Ihnen der Plan selbst anschaulicher werde. Sorgen Sie nicht, der erste Akt sey zu reich an scenischen Effecten. Im dritten Act kommt ein Kampf Ratibors mit den Feuergeistern, die ein Feenschloß vertheidigen, vor. Dieser soll schon noch brillanter ausfallen. Ist Ihnen die Haltung und der Ton des Ganzen recht? Neckerey treiben meine Gnomen, nicht Spötterey im finstern Sinn dieses Worts, und Sie, der Meister, werden schon die rechten Töne zu finden wissen, für die auf dem Theater noch gar nicht eingeführte schätzende neckende und der Anmuth und Gutmüthigkeit nicht ganz entbehrende Gnomenwelt. Ich werde nun an der Oper nicht eher wieder arbeiten, als bis Sie mir Ihr Urtheil über den 1stenAkt geschrieben.
Mit Hochachtung und Freundschaft
Ihr
ergebenster
E. Gehe
PS. Ich bitte nochmals um ein Textbuch der Jessonda oder eine Abschrift.
| Autor(en): | Gehe, Eduard |
| Adressat(en): | Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: | |
| Erwähnte Kompositionen: | Spohr, Louis : Der Berggeist Spohr, Louis : Jessonda |
| Erwähnte Orte: | |
| Erwähnte Institutionen: | |
| Zitierlink: | www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1823102246 |
Der letzte Brief dieser Korrespondenz ist Gehe an Spohr, 16.10.1823. Zwischen diesem und dem nächsten erhaltenen Brief dieser Korrespondenz, Gehe an Spohr, 17.11.1823, lassen sich noch zwei derzeit verschollene Briefe von Spohr an Gehe erschließen.
[1] Auf dem Adressfeld befindet sich oben in der Mitte der Poststempel „DRESDEN / 22. Oct.“, auf der Rückseite des Briefumschlags der Stempel „27OCTO1823“.
[2] Die spätere Oper Der Berggeist, dessen Libretto schließlich jedoch Georg Döring verfasste.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (17.04.2025).