Autograf: Musikverlag B. Schott's Söhne, Verlagsarchiv (D-MZsch)

An 
die Hofmusikhandlung des 
Herrn B. Schott
in 
Mainz

franco.1


Cassel den 20sten 
May 1823. 

Geehrtester Herr, 

Recht sehr freue ich mich Ihres Vorhabens ein musikalisches Unterhaltungsblättchen2 herausgeben zu wollen. Es thut warlich sehr noth um ein Blatt, in welchem man eine vernünftige Kritik über Musik zu finden hoffen darf, denn über nichts in der Welt wird so viel verkehrtes, seichtes und völlig unwahres geschrieben, als in neuester Zeit über Musik. Sollte Gottfried Weber, wie ich vermuthe, Redakteur Ihres Blattes seyn, so freue ich mich sehr darauf, denn ich bin überzeugt, daß es nur Kunsturtheile von wirklichen Künstlern3 aufnehmen wird und nicht von den Fabrikanten der Correspondenzartikel anderer Blätter, die von Musik durchaus nichts verstehen und daher nur um so erregter darüber urtheilen. Leider giebt es unter den Künstlern nur sehr wenige die zu schreiben verstehen und daher besonders der Mangel einer Musikalischen Kritik. Aber lieber weniger Eleganz im Styl und mehr Gründlichkeit im Urtheil, besonders in einem Blatte was hauptsächlich für Künstler bestimmt ist. 
Meine vielen Geschäfte (außer meinen Berufsgeschäften habe ich auch noch 6 junge Leute zu unterrichten) werden mir nur selten erlauben Ihnen Beyträge einzusenden, doch soll es von Zeit zu Zeit geschehen. Liegt Ihnen aber daran einen kritischen Bericht über die bedeutensten unserer Musik. Aufführungen zu erhalten, so werde ich Ihnen einen solchen auch von andern einsenden, dessen U[rtheil]4 ich wie das eigene vertreten kann! 
Mit vorzüglicher Hochachtung 

Ew. Wohlgeb. 
Louis Spohr.

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Schott <Mainz>
Schott, Johann Joseph
Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1823052026


Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Schott, 21.11.1820. Der nächste belegte Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Schott, 03.06.1830.

[1] Auf dem Adressfeld befindet sich rechts oben der Poststempel „CASSEL / 20MAY1823“. Auf der Rückseite des zusammengefalteten Briefumschlags befindet sich der Antwortvermerk: „Spohr / in / Cassel / den 20. May 23. / 14. Juni " “.

[2] Caecilia.

[3] Hier gestrichen: „und nicht von“.

[4] Textverlust durch Siegelausriss.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (09.02.2026).