Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Sr Wohlgebohren
Dem
Herrn Louis Spohr.
Direktor der Kurfürstlichen
Kapelle
in
Hessen-Cassel.1


Wohlgebohrner
Hochzuverehrender!

Dero gütiges Schreiben vom 10t Jan. habe ich am 15t erhalten. Ich hatte aber bis daher noch keine Nachricht hinsichtlich Ihrer persönlichen Unterhandlung von meiner Tochter erhalten. Erst vor ein paar Tagen schrieb sie mir, und machte mich mit Ihrer u des Herrn Generaldirektors2 Anwesenheit in Weimar bekannt, und zeigte mir zu gleich an daß sie den Contract für daß Cassler Hoftheater bereits unterzeichnet habe. Ich freue mich herzlich über die Beendigung eines Geschäftes von dem ich mir für die Zukunft alles Gute verspreche, indem ich im Voraus überzeugt bin, daß die Löblich. Intendanz mit dem Leben und Würken meiner Tochter gewiß zufrieden seyn wird, den sie ist ein stilles gutes und anspruchsloses Mädchen, deren größte Zufriedenheit darin besteht: Wenn sie durch Fleiß und Anstrengung den Beyfall des Publikums und die Achtung und das Wohlwollen ihrer Vorgesetzter sich erwerben kann. Ich freue mich übrigens herzlich über die gütigen Ausdrücke mit welchen Sie über das Wesentliche meiner Tochter geurtheilt haben, es gewehrt mir zugleich die angenehme Hoffnung, daß die Erfüllung meiner früheren Bitte: meine Tochter Ihrer väterlichen Absorge und Ihres Schirms nicht unwürdig zu halten, in die gehoffte Erfüllung übertreten werde, wodurch dann auch meine Ruhe gänzlich begründet würde.
Da die zugebenden Gastrollen meiner Tochter erst für die Monate August u September bestimmt u ausgewirkt waren und sich darinn keine Abänderung treffen läßt, so scheint es mir zwecklos einen früheren Abgang für sie in Weimar betreiben zu wollen, ich werde daher lieber um Ihren Wunsche nach Möglichkeit begegnen zu können die Gastrollen3 wieder abschreiben, und somit kan dan meine Tochter ihr Engagement schon im Monat August antreten. Daß wir dadurch ein bedeutendes Opfer bringen wird Ihnen nicht entgehen, und ich rechne daher um so mehr auf die Erfüllung Ihres früheren Versprechens hinsichtlich einer alljährlichen Urlaubs. Ich erwähnte dieses blos aus dem Grunde weil in dem Contract nichts davon bemerkt wurde. Sie aber doch in Ihrem früheren gütigen Schreiben die Zusage hierüber uns leisteten. Den unterzeichneten Contract von meiner Tochter und mir wird sie nägstens4 die Ehre haben einzusenden; und somit habe ich die Ehre mit aller Hochachtung zu verharren
Euer Wohlgebohren

ergebenster Diener A. Roland ./..5

Augsb. d 23t Jan.
23

Autor(en): Roland, Anton
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Feige, Karl
Roland, Sophie
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1823012343

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf den derzeit verschollenen Brief Spohr an Roland, 10.01.1823. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Roland an Spohr, 01.04.1823 ist derzeit ebenfalls verschollen.

[1] Auf dem Adressfeld befindet sich links oben der Poststempel „AUGSBURG. / 24 IAN 1823.“, auf der Rückseite des zusammengefalteten Briefumschlags befindet sich der Stempel „28[J]AN[1]823“.

[2] Karl Feige.

[3] „die Gastrollen“ über der Zeile eingefügt.

[4] Sic!

[5] Bei dem Zeichen „./..“ handelt es sich um einen freimaurerischen Zusatz zur Unterschrift (vgl. Philippe A. Autexier, Lyra Latomorum. Das erste Freimaurerliederbuch. Masonica über Haydn Mozart Spohr Liszt, pdf-Version nach dem Typoskript im Deutschen Freimaurermuseum Bayreuth, S. 339f. und 348).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (27.02.2024).