Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Herrn 
Kapellmeister Louis Spohr
Wohlgeboren 
in
Cassel. 

d. E.1


Leipzig den 9ten July 1822.

Theuerster Freund, 

Entschuldigen Sie wenn ich bis2 jetzt zögerte um Ihnen den richtigen Empfang der Violine3 anzuzeigen u in gleicher Zeit meinen Dank dafür abzustatten. Mit dem neuen Stege u dem langen Nichtspielen des Instrumentes war ich wirklich am Ton derselbigen irre geworden indem letzterer mir zwar stark aber sehr belegt vorkam, ich habe dafür nachdem ich selbige einige Zeit gespielt, mit mehreren Stegen gewechselt u glaube daß jetzt der Ton beinahe wieder derselbige ist wie er mich vor 2 Jahren, als Sie selbige hier zum ersten Mal produzierten, so sehr ansprach; also nochmals meinen herzlichen Dank. Herrn Peters habe ich den Betrag zugestellt, welches er Ihnen wahrscheinlich angezeigt hat.
Musikalische Neuigkeiten wüßte ich Ihnen nicht zu berichten indem im Sommer die Musik ruft u neue Kräfte zum Winter sammelt. Kürzlich reiste Hummel von Rußland kommend hierdurch, die Ausbeute dieser Reise soll sich seiner eigenen Angabe zu Folge auf 10,000 Rth belaufen. In 2 Jahren gedenkt er ein ähnliches Sümmchen aus dem Norden zu hohlen4.
Empfehlen Sie mich Ihrer theuren Gattin u lieben Kindern bestens u behalten Sie in gutem Andenken Ihren 

Freund u Verehrer 
HAMatthaei.

Autor(en): Matthaei, Heinrich August
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Hummel, Johann Nepomuk
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Leipzig
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1822070943


Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Matthaei an Spohr, 03.04.1822. Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Matthaei an Spohr, 26.05.1835.

[1] Abk. f. „durch Einschluss“ (vgl. Neuester und vollständigster deutscher Universal-Muster-Briefsteller, sowie österreichischer Privat-Geschäfts-Secretär, welcher alle im bürgerlichen Leben vorkommenden schriftlichen Aufsätze zu verfassen lehrt, Bd. 1, o.O. [1842], S. 124). – Derzeit ist nicht bekannt, in welchem anderen Brief dieser Brief beigelegt war.

[2] „bis“ über der Zeile eingefügt.

[3] Nachdem Spohr 1821 eine Stradivari erworben hatte (vgl. Spohr an Wilhelm Speyer, 26.08.1821), verkaufte er 1822 seine Lupot-Geige an Matthaei (vgl. Louis Spohr, Lebenserinnerungen, hrsg. v. Folker Göthel, Tutzing 1968, Bd. 1, S. 221; Text mit fehlerhafter Paginierung auch online).

[4] Sic!

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (30.01.2025).