Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Verehrter Freund! 

Ueber meine Zenobia höre und sehe ich nichts von Hrn. Feige indes es ist mir daher wohl einleuchtend, daß er sich nicht damit befassen mag. Wollen Sie daher wohl die Gefälligkeit haben, sich ohne Weiteres das Manuscript zurückgeben zu lassen und dieses nächst dem beiligenden Briefchen an Hrn. Herzfeld, Director des Hamburger Stadttheaters, übergehen zu lassen, welcher ein den ganzen Abend einnehmendes Stück von mir verlangt. Seyn Sie nicht böse, daß ich Ihnen diese Mühe verursache; ich stehe gern wieder zu Gegendiensten bereit. – Ihr Schüler, Herr Hauptmann, hat sich auf Ihre freundschaftliche Empfehlung um ein Opernsujet an mich gewandt. Ich erkläre ihm meine Bereitwilligkeit in dem Beiligenden, um dessen Uebergabe ich ausserdem noch ersuche. H. H. wünscht auch eine romantische Oper, welche seit dem artistischen Parvénû, dem Freischützen, die Sehnsucht der meisten Componisten sind. H. Lindpaintner, Kreuzer u. Guhr haben mich bereits um solche angegangen, allein damals erlaubten mir andre Geschäfte nicht1 eine solche Arbeit2 zu übernehmen. Freund Schnyder habe ich eine versprochen, werde aber Hrn. Hauptmanns Antrag, wenn wir einig werden sollten, zuerst fördern. Ich bin begierig, wie endlich die Zeit über den Streit des romantischen und historischen Prinzips in der Oper richten wird, und ob zuletzt der ehrliche Metastasio doch nicht Recht behält! – Freund Reinherz ist mit seiner Frau und der ältesten Tochter Emilie in die Schweiz gereist. Sie werden doch nicht, nach dem Besuch des Rigi, des Vierwaldstädter Sees, von Luzern, Meiringen, Grindelwald, Lauterbrunnen, auch den idillisch romantischen Thunersee überfahren, der Ihnen gewiß in mancher süßen Erinnerung theuer ist. – E. Thurner soll jetzt, wie ich höre, seit einiger Zeit wieder hergestellt und bei dem Holländischen Theater in Amsterdamm angestellt seyn. Im Ganzen hat man dort außerordentlich viel an ihm gethan. – Im Berliner Freimüthigen erhebt H. Grosheim von Cassel jezt seine kritische Stimme über das dortige Kunstreiben. Mir kommt es aber vor, als ob der Mann ebenso schlecht schriebe, wie er früher componirt hat. – Indem ich Sie ersuche, mich Ihrer Frau Gemalin und allen Ihrigen herzlich zu empfehlen, bleibe ich mit allen Gesinnungen alter Freundschaft 

Ihr ganz ergebener 
Georg Doering. 

Frankfurt a
d. 25 Juni 1822



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Döring an Spohr, 01.03.1822. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Döring an Spohr, 28.04.1823.

[1] „nicht“ über der Zeile eingefügt.

[2] Hier gestrichen: „nicht“.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (23.03.2026).