Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287 
Digitale Publikation: Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe. Digitale Edition (teilweise)

Wohlgebohrener 
Insonders Hochzuverehrender Herr Hofkapellmeister! 

Ich hoffe von den wohlwollenden Gesinnungen Ew. Wohlgebohren nicht der Zudringlichkeit beschuldiget zu werden, wenn ich mir mit diesem die Freyheit nehme mein Andenken bei Ihnen zu erneuern und das anliegende Schreiben an die Direction deren Vorsteher Ew Wohlgebohren nunmehr sind Ihrer wohlwollenden Berücksichtigung zu empfehlen mir die Ehre gebe. Es gab eine Zeit wo ich für die Dummheit anderer büßend, in meinem Streben verkannt stehen, mich selbst von hämischen Splitterrichtern verhöhnt sehen mußte. Ich hoffe durch meine nachfolgenden Arbeiten mich gerechtfertigt zu haben. Ich habe jene neuen Opern die Ew. Wohlgebohrn in der Anlage verzeichnet finden, und die ich mit besonderer Berücksichtigung auf die Stimme nunmehr selbst unterlege, mit besonderer Zufriediedenheitsbezeugung in Berlin, Dresden Stuttgart Darmstadt (wo ich den gnädigsten Beifall und eine ständige Abnahme aller meiner Bearbeitungen finde) Mainz aufnehmen sehen, so wie hier jede derselben angenehm und erkannt ist. 
Euer Wohlgebohrn dürfen erwarten bei mir hin fort immer die neuesten und vollzüglichsten italienischen und franz Opern erhalten zu können, wozu mich meine Verbindungen für mehrere Bühnen und das freundschaftlichste Verhältniß mit Herr Guhr hier bestätigen, und wirklich habe ich nicht nur mehreres von Bedeutung von meinen Sachen vor mir liegen, sondern wir gehen auch damit nun einige klassische ältere vergessene Opern zum erstenmal nun auf die deutsche Bühne zu bringen. Sollten Sie mir solche als rechtmäßigem Absetzer den Vorzug vor Abschschmierern gönnen, so werde ich alle mögliche Rücksicht gegen Sie eintreten lassen, und ich sichere Sie von Verstümmelungen, die ich oft in Abschriften meiner Arbeit schon angetroffen habe, um so mehr da ich Ihnen die franz. Partituren im Originalstich stelle. Thorwaldo hat sehr viel Schönes und ich kann Ihnen denselben mit gutem Gewissenempfehlen. Gute Baß-Parthie Demetrius, ist im ernsten Styl. Süjet ist auch gut und Guhr der diese Oper eingesehen, urtheilt darüber äußerst günstig, es ist eine der besten Arbeiten Rossinis. Auch die andern Opern dieses Meisters wenn Sie sich an mich wenden wollen, liefere ich Ihnen, in legitimen Copien billig
Eine Original Oper hat Maria von Weber von mir in Hand.1 Ein schönes Sujet hatte ich vor mir. So wie ich Zeit gewinne bin ich so frey es Ihnen einmal zur Einsicht zusenden. Hier wird nun einstudirt Moses, der Freyschütz, u Thorwaldo, wozu ich in Kurzem noch Kreuzers Sonst und Jetzt in 1 Act liefern werde, welches bei Ihnen dort in französ. Zeiten gegeben2 wurde.
Hochachtungsvoll empfehle ich mich werthem Andenken

Euer Wohlgebohrn 
ganz gehorsamster 
F. L. Rhode

Frankfurt 
den 1 Merz 1822.

Autor(en): Rhode, Friedrich Ludwig
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Guhr, Carl
Weber, Carl Maria von
Erwähnte Kompositionen: Rossini, Gioachino : Mosè in Egitto
Rossini, Gioachino : Torvaldo e Dorliska
Weber, Carl Maria von : Der Freischütz
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Darmstadt>
Hoftheater <Dresden>
Hoftheater <Stuttgart>
Königliche Schauspiele <Berlin>
Zitierlink: https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1822030146


Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Rhode an Spohr, 04.01.1836.

[1] Die von Carl Maria von Weber jedoch nicht vertonte Bergere chateleine (vgl. Carl Maria von Weber, Tagebucheintrag 10.02.1821, in: Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe. Digitale Edition). 

[2] „gegeben“ über der Zeile eingefügt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (19.02.2026).