Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. hist. Litt. 15[518,12
Die Lieder1, welche Herr Julius Lammers als Beleg für seine musikalische Begabung eingesandt hat, sprechen zwar durch verständige Auffassung der Texte, sangbare Melodien, und correkte Harmoniebegleitung recht günstig dafür; doch hätte ich gewünscht, Herr Lammers hätte auch eine Instrumentalkomposition, etwa einen Satz eines Streichquartetts oder eines Duos für Piano und Violine, oder etwas ähnliches eingesandt, weil man daraus erst das Wichtigste der musikalischen Begabung, nämlich die eigene Erfindung und die selbstgeschaffene Form der Musikstücke erkennen kann, während bey Liedern durch den Text und dessen Inhalt die Form, die Melodie, und selbst der Charakter der Begleitung gewissermaßen schon2 vorgeschrieben sind. - Es wäre daher Herr Lammers, meiner Meinung nach, noch aufzufordern, daß er eine solche noch nachträglich einsende.
Louis Spohr.
| Autor(en): |
Spohr, Louis |
| Adressat(en): |
Lammers, Julius |
| Erwähnte Personen: | |
| Erwähnte Kompositionen: |
Lammers, Julius : <%Die%> Schilflieder, op. 7 |
| Erwähnte Orte: | |
| Erwähnte Institutionen: |
Mozartverein <Gotha> |
| Zitierlink: | www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1856081014 |
Lammers beantwortete dieses Gutachten mit einem Brief an Spohr vom 24.08.1856. Daraus ergibt sich auch das mutmaßliche Datum dieses Schriftstücks für Anfang August.
Offensichtlich diente dieses Gutachten für den Mozartverein in Gotha, der Lammers auf Vorschlag von Georg V, König von Hannover, ein Stipendium verlieh (vgl. „Ueber den Mozartverein in Gotha“, in: Euterpe 17 (1858), S. 60).
[1] Vgl. „sein Opus: die Schilflieder von Lenau, wird auf besonderen Wunsch des Hrn. Dr. Louis Spohr in dem Anfangs k. Jahres erscheinenden ,Mozartalbum’ Aufnahme finden“ (ebd.).
[2] „schon“ über der Zeile eingefügt.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (24.08.2021).