Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Hochverehrter Herr Capellmeister!

In der Ueberzeugung, daß Sie ein aufrichtiges Kunststreben immer gern mit Rath und That unterstützen, wage ich es, Ihnen mit einer ergebenen Bitte vertrauensvoll zu nahen.
In vergangenem Frühjahr brachte ich hier, so wie später in Leipzig u. Erfurt meinen Erstlings-Versuch eine größere Composition für Orchester: die Mähr von den drei Insteln, Tongemälde nach beiligendem Gedichte von Ludw. v. Erfurt zur Aufführung, und durfte mich der dankbarsten Anerkennung von Seiten des hiesigen Hofes, sowie des Leipziger und Erfurter Publikums erfreuen.1
Sollte durch Ihre wohlwollende Fürsprache, um welche ich ganz ergebenst bitte, nur die Aussicht werden, dieselbe Composition im Laufe dieses Winters vielleicht in einem Ihrer CapellConzerte zur Aufführung zu bringen, so würden Sie mich unendlich glücklich machen und zu ewigem Danke verpflichten.2
Sein Sie versichert daß nicht Eitelkeit oder pekuniäres Interesse mich zu dieser Bitte treiben; nein, nur das Glück möchte ich genießen Ihr aufrichtiges Urtheil über meine Composition bei dieser Gelegenheit zu gewärtigen, und einige Augenblicke wieder bei Ihnen verleben zu dürfen.
Ob ich die Hoffnung auf eine geneigte Antwort mich hingeben darf? Ihr geneigtes Wohlwollen, dessen ich mich immer zu erfreuen hatte, giebt mir hierzu die vollkommenste Zuversicht.
Mit der unbegrenzten Hochachtung habe die Ehre Sie zu grüßen als
Ihr

dankbar ergebener
Schüler
Ferd. Brandenburg.

Autor(en): Brandenburg, Ferdinand
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen: Brandenburg, Ferdinand : <%Die%> Mär von den drei Inseln
Erwähnte Orte: Erfurt
Leipzig
Rudolstadt
Erwähnte Institutionen: Euterpe <Leipzig>
Hofkapelle <Rudolstadt>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1844101240

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Das letzte überlieferte Schriftstück dieser Korrespondenz ist ein Zeugnis von Spohr für Brandenburg, ab 17.09.1842. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Brandenburg an Spohr, 03.05.1847.

[1] Vgl. -r-, „Leipzig“, in: Allgemeine musikalische Zeitung 46 (1844), Sp. 256ff., hier Sp. 257; -r.-, „Concerte des Musikvereines Euterpe“, in: Neue Zeitschrift für Musik 20 (1844), S. 75f. und S. 91f., hier S. 91; „Die Euterpe“, in: Musikalisch-kritisches Repertorium 1 (1844), S. 139; „Leipzig“, in: Allgemeine Theater-Chronik 13 (1844), S. 142

[2] Anscheinend versuchte Spohr erst 1851 die Komposition in Kassel zur Aufführung zu bringen (vgl. Spohr an Carl Haslinger, 22.08.1851).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (18.02.2022).