Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287
Wohlgeborner,
Hochzuverehrender Herr Capellmeister!
Es ist gerade ein Jahr seit ich mir erlaubte Ihnen die „Wiegenlieder für den Prinzen von Wales“ ergebenst mitzutheilen. Die freundliche Aufnahme und gütige Beurtheilung derselben veranlaßt mich, Ihnen abermals anliegend ein Gedicht zu übersenden und mir darüber Ihre Ansicht zu erbitten. Entschuldigen Sie dabey auch folgende Bemerkungen: – Es ist mir vorgekommen als ob das Concert keinen Uiberfluß an Singstücken habe, welche vorzugsweise für dasselbe bestimmt und eine dem Drama ähnliche Handlung verfolgten.
Dieses habe ich bey diesem Gedichte versucht und mich bemüht dadurch Gelegenheit zu geben, mit der Recitation, Gesang und Instrumentalsätze zu verbinden. Das Gedicht ist zwar ganz individuell und dramatisch gehalten; allein im Hintergrunde ist das allgemeine wohl nicht zu verkennen und es scheint mir ein nicht unwahres und unpassendes Bild in des Künlsters-Leben, Ich habe mir die musikalische Behandlung ohngefähr folgendermaßen gedacht:
1. Abschnitt:
1. Musicalische Introduction oder Ouverture.
2. die sämmtlichen Verse gesprochen darauf
3. Symphonie – ähnlicher Satz den Schluß des ersten Abschnitts und den Uibergang zum zweiten darstellend.
2. Abschnitt:
1. Rede.
2. „Herzliebste mein” – Ständchen – (glückliche Liebe)
3. Rede.
4. „O singet pp. – Gesangstück – (unglückliche Liebe)
5. Zum Schluß wieder Rede.
3. Abschnitt:
1. Rede.
2. „Freunde laßt uns frühlich sein pp.” Gesang (Trinklied)
3. Rede.
4. „O Freundschaft pp – Gesangstücke – (Getäuschte Freundschaft)
5. Schluß-Rede.
4. Abschnitt:
1. Rede.
2. „Wohl auf pp. – Kriegslied.
3. Rede.
4. „Wehe von pp. – Gesang (Gekränktes Verdienst)
5. Schlußrede.
5. Abschnitt:
1. Rede.
2. „Vater auf dem Himmelsthron. – Gesang. (Gebet)
3. Rede.
4. „Sänger mit der treuen Laute pp. – Chor der Engel.
Glauben Sie, daß es sich in dieser Weise benützen läßt so würde ich mich am meisten darüber freuen, wenn Sie es selbst musicalisch bearbeiten wollten. Sollten Sie dazu nicht geneigt sein, so ersuche ich Sie wenigstens um Ihren freundlichen Rath, ehe ich weiter davon Gebrauch mache, da Ihr bewährtes Urtheil mit von dem größten Gewichte. Auch halte ich im Interesse dr guten Absicht mich Ihrer gütigen Entschuldigung versichert.
Mit der vergnüglichsten Hochachtung der ergebenster,
Julius Eberwein,
Reg Advocat.
Rudolstadt 11. Januar
1843.
| Autor(en): |
Eberwein, Julius |
| Adressat(en): |
Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: |
Gubitz, Friedrich Wilhelm |
| Erwähnte Kompositionen: | |
| Erwähnte Orte: | |
| Erwähnte Institutionen: | |
| Zitierlink: | www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1843011147 bitlx |
Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Eberwein an Spohr, 30.12.1841.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (23.03.2023).