Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Sr. Hochwohlgeboren
Herrn GeneralMusikdirector Dr. Spohr
in
Cassel.1


Dordrecht 31 Mai 1859.

Mein theurer hochverehrter Herr Generalmusikdirector!

Öfter haben Sie mir versprochen hier nach Dordrecht zum Besuche zu kommen, so daß ich es mir erlaube Sie recht freundlich und dringend dazu einzuladen. Wohl knüpfte sich an Ihr Versprechen eine gewisse Bedingung, die ich nur wohl nicht erfüllen kann. Jedoch würde mir Ihr Besuch eine eben so große Ehre sein, als es mir unbeschreibliche Freude verursachen würde und ich bitte Sie, sowie Frau General Musikdirector und auch Fräulein Pfeiffer recht freundlich u herzlich darum. Recht sehr müßte ich mich irren wenn ich verkehrt verstanden daß Sie vielleicht das Musikfest der „Maatschappij van Toonkunst! welches im Sommer in Arnheim gefeiert werden sollte, beiwohnen würden. Dasselbe ist durch die Zeitumstände bis auf Weiteres verschoben. Jedoch muß Sie diesews nicht von der Reise nach hier abhalten. Musikalische Genüsse kann ich Ihnen nun freilich nicht versprechen, da im Sommer hin wie überall in Holland die Streichorchester ruhen. Jedenfalls werden2 wir trachten auch hierin unser Möglichstes zu thun.
Touren in die Umgebung von Dordrecht und wenn Sie es wünschen nach Rotterdam, den Haag und weiter, davon leicht überall sie kommen kann; selbst nach Antwerpen u Brüssel wo man in circa 4-6 Stunden hinkommen kann, können wir machen. Eine sehr angenehme Dame Mad. Nieser(???) läßt Sie freundlich einladen; allein da dieselbe auch auf Reisen zu gehen gedenkt, so würde es ihr am liebsten Anfangs July sein. Werden Sie nun anstehen hiervon Gebrauch zu machen oder verhindern dies andre Reisepläne, so giebt es hier noch mehr Familien die sich eine große Ehre daraus machen würden, wenn Sie bei ihnen logirten. Natürlich würde ich diese Ehre am liebsten für mich beanspruchen, doch wohne ich in einem so kleinen Hüttchen daß ich einen so großen Mann nicht einladen darf. Außerdem können Sie sich selbst überzeugen wie ich hier lebe u in welcher Situation ich mich befinde. – Noch werde ich aller Mögliche thun um Ihnen die Zeit Ihres Aufenthaltes für so angenehm als möglich zu machen und außerdem werden besonders die musikalischen Einwohner von Dordrecht die Ehre zu ermessen wissen die ihnen durch die Anwesenheit des berühmten Tonmeisters Spohr wiederfährt
So wünsche ich denn recht sehr daß keine andren Reisepläne Sie, lieber hochverehrter Herr GeneralMusikdirector abhalten werden mir eine so große Freude zu bereiten.
An Hr. Kufferath habe ich Ihre Grüße brieflich gesandt u Antwort von Frau Kufferath erhalten. Sie befinden sich wohl und lassen sich bestens empfehlen. Von dieser Einladung wissen sie nichts, denn obwohl der Gedanke so nahe lage, ist er mir erst jetzt eingefallen.
Möchten diese Zeilen nun im günstigen Augenblick bei Ihnen eintreffen und meinen einfachen aber herzlich und aufrichtig gemeinten Wunsch und Bitte unterstüzen!
Mit freundlichen herzlichen Grüße an Sie mein theurer geliebter Meister und meine allerbesten Empfehlungen an Frau General Musikdirector und Fräulein Pfeiff[er] harre ich mit großer Ungeduld Ihrer gütigen Nachr[icht.]
Mit unnenbarer Verehrung und Hochachtung bin ich stets

Ihr gehorsamster

Ferdin. Böhme.

Autor(en): Böhme, Ferdinand
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Kufferath, Elisabeth Sophie
Kufferath, Johann Hermann
Pfeiffer, Caroline
Spohr, Marianne
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Antwerpen
Arnheim
Brüssel
Den Haag
Dordrecht
Rotterdam
Erwähnte Institutionen: Maatschappij tot Bevordering der Toonkunst <Rotterdam>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1859053140

http://bit.ly/3ksjED0

Spohr



Der letzte Brief dieser Korrespondenz ist Böhme an Spohr, 03.04.1859. Spohr beantwortete diesen Brief am 13.06.1859.

[1] Links unten auf dem Adressfeld befindet sich der Poststempel „Franco“, darunter die übereinander gesetzten Stempel „EMMERICH / OBERHAUSEN / [???]“ und „CASSEL / […] / 1859 / 5 - [???]“ sowie ein weiterer verwischter Stempel.

[2] Hier gestrichen: „wir“.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (23.10.2020).