Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. ep. 1.2 <18590403>

Breslau 3ten April 59

Mein hochverehrter Freund und Gönner!

Zuvörderst meinen allerbesten und herzlichsten Glückwunsch zu Ihrem Geburtstage; mögen Sie denselben im Kreise der Ihrigen recht froh und heiter erleben. Seit Ihrer Leipziger Reise habe ich von Ihnen keine Nachricht erhalten, möchten Sie mich bald mit einem Schreiben erfreuen. Unsere musikalische Saison naht für diesen Winter ihrem Ende, Viel, sehr viel wurde wieder musizirt, Sinfonie-Konzert, Soireen für Kammermusik, Oratorien etc. Viele schöne Werke Ihrer Komposition haben uns hohen Genuß gewährt. Die Konzerte der Theaterkapelle werden nächsten Donnerstag mit Ihrer „Weihe der Töne“ unter meiner Leitung beschlossen, und nächsten Mittwoch werde ich mit einem talentvollen Geiger Namens Jäkel Ihr köstliches spanisches Rondo in einem Konzert vortragen. Wie steht es in Kassel mit der Musik gegenwärtig? Schreiben Sie mir doch gütigst etwas davon. Lißt wird nächstens hierher kommen und mehrere seiner Sachen dirigiren. Neulich gab die Singakademie den Josua von Händel. Dieses 60 Nummern starke, aber in der Erfindung ziemlich schwache Werk, kann einen mit seinen veralteten Arien, gewöhnlichen Redensarten, Sequenzen und ellenlangen Rouladen auf einzelnen Silben rein zur Verzweiflung bringen. Ich mußte es bis zu Ende hören, weil ich einen Artikel in der Zeitung darüber zu liefern hatte.1 — Nun wüßte ich weiter nichts zu melden.
Schreiben Sie mir, hochverehrter Gönner, recht bald und empfehlen Sie mich Ihrer Frau Gemahlin und allen Ihrigen so wie Frau v. Malsburg auf das Herzlichste.

Wie immer
Ihr ewig dankbarer Verehrer
Ad. Hesse

Autor(en): Hesse, Adolph
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Jäkel
Liszt, Franz
Malsburg, Caroline von der
Erwähnte Kompositionen: Händel, Georg Friedrich : Josua
Spohr, Louis : Rondo a la spanguola
Spohr, Louis : Die Weihe der Töne
Erwähnte Orte: Breslau
Erwähnte Institutionen: Singakademie <Breslau>
Stadttheater <Breslau>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1859040331

http://bit.ly/1NjLTBI

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Hesse an Spohr, 05.12.1858. Mit diesem Brief scheint die Korrespondenz zwischen Louis Spohr und Adolph Hesse zu enden.

[1] Artikel noch nicht ermittelt; vgl. aber „Musicalische Institute in Breslau”, in: Niederrheinische Musik-Zeitung 7 (1859), S. 181f., hier S. 181.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (04.05.2016).