Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Hochverehrtester Herr General-Musikdirektor.

Sie waren so freundlich in Prag gegen mich, später brieflich gegen Herr Hauptmann1 die Absicht auszusprechen daß Sie uns Leipziger im Laufe des Jahres und bei Gelegenheit eines Gewandhausconzertes die Freude Ihres Besuchs zu machen gedächten. Unsere Conzerte haben nun begonnen – der Herbst macht sich bemerkbar und ehe er sich vollständig in den Winter umwandelt möchte ich mr erlauben Sie zu fragen, ob Sie von Ihrer Idée nicht zurückgekommen sind und ob Sie Willens wären dieselbe bald auszuführen? In diesem Falle würde ich dem nächsten Conzerte, Donnerstag den 21ten d.M., durch eines Ihrer größeren Werke, wahrscheinlich der 3ten Sinfonie, ein besonderes Interesse verleihen und Ihre Gegenwart würde uns anfeuern das Beste zu leisten, dessen wir nur irgend fähig sind. Auch die Wahl der andern Stücke sollte sich Ihrer Theilnahme zu erfreuen haben. Dürfte ich Sie daher wohl ergebenst ersuchen mir, wo mölich gleich nach Empfang dieser Zeilen, mit wenigen Worten gütigst zu sagen, ob wir der Erfüllung unseres Wunsches, der ebenso warm wie allgemein ist, entgegensehen dürfen – oder ob vielleicht das Conzert 8 Tage später, also am 28ten d.M. für Ihren und unsern Zweck Ihnen geeigneter scheint? Denn das werden Sie uns nicht anthun, die Idee ganz aufzugeben auf deren Verwirklichung wir uns lange herzlich gefreut haben. Sie sollen sich selbst überzeugen, was ich Sie beim Abschiede in Prag versicherte, daß wir in Leipzig noch treu an der alten guten Art festhalten d.h. gute Musik nach besten Kräften gut aufführung u. dies von Ihnen bestätigt zu hören, würde uns die größte Genugthuung für viele anderseitige Unbilde gewähren. Darum entziehen Sie und diese nicht und erfreuen Sie mich möglichst umgehend mit einer kurzen bestimmten Nachricht.
Frau Oxford hat mir Ihren Brief eingehädigt, für den ich Ihnen sehr danke. Leider läßt sich im Augenblick für sie sowohl2, wie für Herr Blagrove nichts thun, da für die erste Hälfte der Conzerte bereits alle Dispositionen getroffen sind. Vielleicht arrangirt es sich später oder im nächsten Jahre.
In der frohen Hoffnung daß diese Zeilen Sie im allerbesten Wohlsein antreffen werden bitte ich Sie, mich Ihrer verehrten Frau Gemahlin bestens zu empfehlen und die Zeichen ausdrücklichster Anhänglichkeit und innigster Verehrung entgegennehmen zu wollen

von Ihrem ergebensten Diener
Julius Rietz.

Leipzig 13ten October
1858.

Autor(en): Rietz, Julius
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Blagrove, Henry
Hauptmann, Moritz
Oxford, Amalie
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Leipzig
Prag
Erwähnte Institutionen: Gewandhaus <Leipzig>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1858101343

http://bit.ly/2qw7Zen

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief von Spohr an Rietz. Spohr beantwortete diesen Brief am 14.10.1858.

[1] Dieser Brief ist derzeit verschollen.

[2] Oxford konzertierte trotzdem am 10.11.1858 im Gewandhaus (vgl. „Leipzig. Soirée von Frau Amali Oxford aus London“, in: Neue Zeitschrift für Musik 49 (1858), S. 241; „Leipzig“, in: Neue Berliner Musikzeitung 12 (1858), S. 382).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (30.05.2017).