Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Frankfurt am 3 Sept. 1858

Ew. Wohlgeboren

schulde ich noch Empfangsanzeige der mir vorigen Sonnabend richtig zugekommenen 12 Compositionen nebst Ihrem Urtheil;1 Gestern Abend traten die Herrn Schiedsrichter zusammen, u. es erhellt

den 1sten Preis N° 12 (Motto: Laß Dich‘s nicht verdrießen, kannst Du den Trieb nicht genießen)
den 2ten N° 8 (Motto: Den Ernst des Lebens mildre heitre Kunst)
den 3ten N° 4 (ohne Motto)

lobend erwähnt wurde N° 3 (Motto: verdiente Lorbern schmücken, unverdiente drücken).
Nach Entsiegelung der Namen ergeben sich als die Componisten:

von N° 12 Herr Ed. Tanwitz, Kapellmst. am ständ. Theater in Prag
" N° 8 " V.E. Becker in Würzburg
" N° 4 " F. Müller, Kapellmst. in Rudolstadt

Herr Direktor Messer, der natürlich bei der gestrigen Sitzung d. Herrn Schiedsrichter nicht zugegen war, freute sich sehr als er heute erfuhr, daß sein Urtheil über N° 8 u. N° 4 mit dem Ihrigen so übereinstimmte und lautete, er äußerte mir mündlich die Ansicht, daß in einem Conzert gewiß N° 8 am meisten Effekt machen werde, erklärte sich aber promt mit obiger Vertheilung vollkommen einverstanden. In Betreff v. N° 12 war sein Urtheil ziemlich übereinstimmend mit dem Herrn H.K.M. Lachner ausgefallen. - Im Ganzen war wie Sie sehen, Ihr Urtheil so ziemlich daß maßgebende.
Indem ich Ihnen nun nochmals meinen wärmsten Dank für die gütigst übernommene Mühe ausdrücke, bitte ich überzeugt zu seyn, daß es mir jederzeit zur wahren Freude gereichen wird, wenn ich Ihnen gegenseitig gefällig od. nützlich seyn kann; disponiren Sie gef. ohne Rückhalt über mich. -

Ihr hochachtungsvoll ergebener
J Ph Petsch

S.T. Sr Wohlgeboren General Musik Direktor
Dr L. Spohr
Cassel

Erwähnte Personen: Becker, Valentin Eduard
Müller, Friedrich
Tanwitz, Eduard
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1858090348

http://bit.ly/2vHFI7c

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Spohr an Petsch, 01.08.1858.

[1] Hier gestrichen: „statt“.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (05.09.2017).