Autograf: Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt am Main (D-F), Sign. Mus. Autogr. A. Schmitt A 171

Hochverehrter Freund!

Heute nur eine Anfrage.
Gestern war ich mit Herrn Dr. Drescher zusammen, welcher äußerte: daß er durch irgend eine briefliche Mittheilung vernommen habe: daß Sie beabsichtigten, nach unserem nahen Bockenheim zu ziehen.
Wenn dies wahr sein sollte, so würde dies hier eine allgemein Freude hervorrufen, und ich – würde mich ganz glücklich schätzen, wenn Sie so nahe in unsere Nähe kämen. Auf Händen sollen Sie getragen werden, und von unserer Seite, namentlich von von1 mir, soll alles uns Erdenkliche geschehen und aufgeboten werden, um Ihr Leben so angenehm zu machen, wie nur möglich. Wie gesagt, ganz glücklich würde ich mich schätzen, wenn sich diese Nachricht bewahrheiten sollte. Ich habe nun keine Ruhe, bis ich jetzt(?) erfahren habe, ob die Sache an dem ist, und sehe mit Ungeduld der Nachricht entgegen, ob es wahr ist. Der Aufenthalt in Bockenheim ist sehr schön, die Natur herrlich, die Stadt in der Nähe, der Gelegenheit jede Minute in die Stadt zu fahren um ein paar Kreuzer – so viele; dabei viel wohlfeiler wie in der Stadt; alles dies macht mir die Sache so einleuchtend, daß ich mir um so mehr hoffe, Sie – hoffe ich – recht bald in unserer Nähe zu wissen. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie ich mich freue, wenn diese Nachricht wahr ist, und Sie dies Vorhaben recht bald realisiren.
Empfangen Sie zu gleich meinen wärmsten Dank für Ihren gütigen Brief in Betreff meines Sohnes. Derselbe wird in den ersten Tagen des May in London sein. Der Großherzog von Schwerin bot meinem Sohne einen Brief an den Prinzen Albert an, so wie derselbe noch Briefe an die Herzogin von Cambridge2 u. mehrere Große nach London erhalten hat.
Mit Sehnsucht sehe ich nun einigen Zeilen von Ihnen entgegen, und bitte mich Ihrer verehrten Frau Gemahlin bestens zu empfehlen.

Ihr Sie unendlich hochverehrender Freund Dr. Aloys Schmitt.

Frankfurt den 27ten April
1858.

Erwähnte Personen: Albert Großbritannien, Prinzgemahl
Drescher, Emil
Fairbrother, Sarah
Friedrich Franz II Mecklenburg-Schwerin, Großherzog
Schmitt, Georg Alois
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Bockenheim
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1858042745

http://bit.ly/2vAkE2U

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Spohr an Schmitt, 16.04.1858. Der nächste Brief dieser Korrespondenz ist Schmitt an Spohr, 01.08.1858.

[1] Tatsächlich doppelt.

[2] Sarah Fairbrother, die illegetime Ehefrau von Georg Duke of Cambridge.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (20.04.2018).