Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. 55 Nachl. 76,286
Druck: Edward Speyer, Wilhelm Speyer der Liederkomponist 1790-1878. Sein Leben und Verkehr mit seinen Zeitgenossen dargestellt von seinem jüngsten Sohne, München 1925, S. 396 (teilweise)

Frankfurt 25 Novb
1857.

Theurer Freund!

Die Theilnahme und Verehrung, welche Ihnen bei der letzten Aufführung Ihrer Jessonda geworden, hat mich tief gerührt und erfreut.1 Mögten Sie sich noch viele Jahre des Rückblicks auf ein ruhmgekröntes, thatenreiches Leben, auf ein erfolgreiches Wirken und Schaffen zu erfreuen haben.
Herr Graf Wilhelm von Reichenbach hat mir in bezug auf die Verkürzung Ihres Gehalts folgendes mitgetheilt: Im Testament des verstorbenen Kurfürsten, welches der Graf besitzt ist dem Regierungsnachfolger die ausdrückliche Verpflichtung auferlegt, alle auf Lebenszeit ernannten Beamten und Diener laut Anstellungsdekret, in dem unverkürzten Genuß ihres Gehaltes zu belassen. Der Graf glaubt, daß diese Bestimmung auf Sie Anwendung finde und ist bereit, die Abschrift des betreffenden Paragraphen Ihnen zu überlassen, wenn Sie bei den Gerichten davon Gebrauch zu machen willens sind. Er bezweifelt nicht, daß die Gerichte sich zu Ihren Gunsten aussprechen werden. Der Graf hat mich ausdrücklich beauftragt, Ihnen diese Mittheilung zu machen unter der natürlichen Voraussetzung, daß sein Name verschwiegen bleibt.
Ich sehe nun darüber Ihrer baldigen Antwort entgegen u. verbleibe mit unveränderlichen Gesinnungen der Liebe u. Freundschaft

Ihr treu ergebener
WmSpeyer

Erwähnte Personen: Reichenbach, Wilhelm von
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Jessonda
Erwähnte Orte: Kassel
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1857112532

http://bit.ly/21tF01B

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Speyer, 16.10.1855. Spohr beantwortete diesen Brief am 27.11.1857.

[1] Vgl. „Kassel”. in: Neue Berliner Musikzeitung 11 (1857), S. 388; „Louis Spohr”, in: Süddeutsche Musik-Zeitung 6 (1857), S. 202; „Dr. L. Spohr. Minden, 28th November”, in: Musical World 35 (1857), S. 824.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (15.03.2016).

Frankfurt, 25. November 1857.

Teurer Freund,

Die Teilnahme und Verehrung, welche Ihnen bei der letzten Aufführung Ihrer ,Jessonda’ geworden, hat mich tief gerührt und erfreut. Möchten Sie sich noch viele Jahre des Rückblicks auf ein ruhmgekröntes, tatenreiches Leben, auf ein erfolgreiches Wirken und Schaffen zu erfreuen haben.
Herr Graf Wilhelm von Reichenbach hat mir in bezug auf die Verkürzung Ihres Gehalts folgendes mitgeteilt: ,Im Testament des verstorbenen Kurfürsten (welches der Graf besitzt) ist dem Regierungsnachfolger die ausdrückliche Verpflichtung auferlegt, alle auf Lebenszeit ernannten Beamten und Diener laut Anstellungsdekret in dem unverkürzten Genuß ihres Gehaltes zu belassen.’ Der Graf glaubt, daß diese Bestimmung auf Sie Anwendung finde, und ist bereit, die Abschrift des betreffenden Paragraphen Ihnen zu überlassen, wenn Sie bei den Gerichten davon Gebrauch zu machen willens sind. Er bezweifelt nicht, daß die Gerichte sich zu Ihren Gunsten aussprechen werden. Der Graf hat mich ausdrücklich beauftragt, Ihnen diese Mitteilung zu machen, unter der natürlichen Voraussetzung, daß sein Name verschwiegen bleibt.
Ich sehe nun darüber Ihrer baldigen Antwort entgegen und verbleibe mit unveränderlichen Gesinnungen der Liebe und Freundschaft

Ihr treu ergebener
Wilhelm Speyer.