Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Den Hochzuverehrenden Herrn Dr Louis Spohr
GeneralMusikdirector zu Cassel


Hochzuverehrenster!

Ihren werten Brief von 11ten dieser habe ich in Dank erhalten und melde Ihnen hirmit dasz sie morgen oder übermorgen die Orchesterstimmen meiner Sinfonie (23 partion) durch expedition von Hrn postbeamten hir N. Gend-Loos werden erhalten – die stimmen sind correct copieirt – Indem ich Ihnen bei dieses Paket noch ein Exemplar meiner schon früher in druck-erschienene Ouverture-Triomphale (beurtheild all. mus. Zeitung October 1844_N-42)1 zusende, mit der Hoffnung diese als Beweis unbegränzte Hochachtung anzunehmen.
Ich danke Ihnen vor die vorläufige Mittheilung der Proben um Aufführung meiner Sinfonie. Ich bin so frei Ihnen zu bemerken, das wir hir in Amsterdam jährlich 2 grosze vocal und Instrumental-Conzerte unter meiner Leitung geben, zum Vortheile der Gesellschaft vom „Waisen-erziehung‘s- Anstalt (wofon I. Mt unsere gnädige Königin die Beschützerin ist,) die Conzerte finden immer April und November statt, - das künftige Conzert findet allso den 9ten November statt (wofon die programmen schon gedruckt sind) die orchester-Proben fangen schon 28te October an.
Daher ist mein Urlaub um zu reisen, es sei vor diesem Conzerte, von Anfangs-October bis 28te Oct. oder nachher von 10 November ab – bin ich allso disponible. [am liebsten wäre mir, nach mein Conzert (nach 10te Novemb) nach Cassel zu reisen, damit ich ohne Eile auch noch Leipzig nachher reisen kann.]2
Da ich nun aus Ihre geehrte Briefe ersehn habe, das die Aufführung der Sinfonie3 nicht Anfangs-November (und sicher nicht Ende October) kann statt finden – so ist meine ergeben Bitte, die Aufführung meiner Sinfonie (nicht während den époque von 28 Oct – bis 10 November zu bestimmen) da Sie geehrte Herr kennen denken, darf ich während diese Tage nicht von hir wegkann.
Ich wünschte gerne allso Ihr geehrtes Schreiben zu erhalten mit der Bitte mir zu wollen mittheilen, ob Sie dasz so konnen ordnen dasz die Aufführung meine Sinfonie auf 1te Abon. Conzert so zu4 bestimmen, dasz ich auf Ihre Meldungs-Tag auch abreisen5 kann.
In der Hoffnung dasz(?) Sie meine Freiheit nicht übel nehmen, und Ihnen werthes Schreiben bald entgegen zu sehn, darf ich auch hir meine Sachen einigermasz ordnen kann, unter zeichene ich mir (nach viele Empfehlungen an Ihre wehrte Famillie) hochachtungsvoll

hochzuverehrenster
General Musikdirector
ergebenst
A. Berlyn
Musikdirector

15 Sept. 1857
Heregracht beim Parc 314_V

Autor(en): Berlijn, Aron Wolf
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen: Berlijn, Aron Wolf : Ouvertüren, op. 66
Berlijn, Aron Wolf : Sinfonien, op. 104
Erwähnte Orte: Amsterdam
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1857091144

http://bit.ly/2Gs4FI9

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Spohr an Berlijn, 11.09.1857. Spohr beantwortete diesen Brief am 01.10.1857.

[1] Vgl. Rez. „Berlin, A., Grande Ouverture triomphale à grande Orchestre. Op. 66“, in: Allgemeine musikalische Zeitung 46 (1844), Sp. 691f.; Nachdruck in: Böhm, S. 17ff.

[2] Einfügung am linken Seitenrand.

[3] „der Sinfonie“ über der Zeile eingefügt.

[4] „zu“ über der Zeile eingefügt.

[5] „ab“ über gestrichenen Buchstaben eingefügt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (26.03.2018).