Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. ep. 1.6 <Dupont 18570403>

Sr. Wohlgeborn
Herrn Dupont
Musikdirector am
Stadttheater in
Hamburg.
 
 
Cassel den 3ten April
1857.
 
Hochgeehrter Herr,
 
Mit Vergnügen höre ich, daß Sie am Stadttheater zu Hamburg eine, Ihren Wünschen und Talenten angemessene Stellung gefunden haben. Da nun dort eine junge Sängerin angestellt ist, Frl. Hartmann, für die ich mich, ihres Vaters wegen, der vor langen Jahren einer meiner talentvollsten Schüler war, interessire, so bitte ich Sie, mir über ihre Stimme, Begabung und musikalische Ausbildung gefälligst Kentniß zu geben. Ihr Gesanglehrer1 in Cölln hat sie mir nämlich sehr dringend empfohlen und bittet mich, sie in ihrer Kunstlaufbahn durch meinen Rath und meine Empfehlung zu unterstützen2 und da möchte ich denn im voraus gern wissen, was man sich in Zukunft wohl von ihren Leistungen versprechen darf, ebenfals, in welchen Rollen Fräulein Hartmann bisher in Hamburg aufgetreten ist und wie sie reussirt hat? Sie würde mich sehr verbinden, wenn Sie die Güte hätten, mir recht bald darüber genaue Kunde zu geben.
Wie steht es mit Ihren Kompositionsarbeiten, und ist die Oper, die Sie hier schrieben, schon zur Aufführung gekommen?3
Warscheinlich werde ich während4 der Ferien des nächsten Sommers nach Hamburg kommen und ich freue mich dann sehr darauf Sie alsdann wieder zu sehen.
In Erwartung eines gefälligen Schreibens mit vorzüglicher Hochachtung
 
Ihr
ergebener5
Louis Spohr.

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Dupont, Johannes Franz
Erwähnte Personen: Hartmann, Franz
Reinthaler, Karl
Zottmayr-Hartmann, Nina
Erwähnte Kompositionen: Dupont, Johannes Franz : Bianca Siffredi
Erwähnte Orte: Hamburg
Erwähnte Institutionen: Stadttheater <Hamburg>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1857040314

http://bit.ly/2rcO0yj

Spohr



Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Dupont an Spohr, 10.10.1857.
 
[1] Vielleicht Karl Reinthaler, der wie Franz Hartmann an der Rheinischen Musikschule lehrte und in dessen Kompositionen Nina Hartmann als Solistin wirkte (vgl. „Köln“, in: Niederrheinische Musik-Zeitung 2 (1854), S. 56; „Elberfeld“, in: Neue Berliner Musikzeitung 9 (1855), S. 156; Dietmar von Capitaine, Conservatorium der Musik in Cöln. Zur Erinnerung an die wechselhafte Geschichte einer musikpädagogischen Einrichtung der Stadt Cöln, Norderstedt 2009, S. 33).
 
[2] Dieser Brief ist derzeit verschollen.
 
[3] Zu dem Zeitpunkt war die Oper auf die Bühne gelangt in Linz (23.11.1856, vgl. „Linz“, in: Neue Berliner Musikzeitung 9 (1856), S. 399), Salzburg (12.02.1857, vgl. „Zur Tagesgeschichte“, in: Salzburger Landes-Zeitung (1857), S. 139; „Salzburg“, in: Monatschrift für Theater und Musik 3 (1857), S. 210ff., hier S. 212) und Hamburg (Anfang März?, vgl. „Feuilleton“, in: Bremer Sonntagsblatt 5 (1857), S. 87f., hier S. 87).
 
[4] Hier gestrichen: „ich“.
 
[5] Hier gestrichen: „Louis Spohr.“.
 
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (29.05.2017).