Autograf: Deutsches Literatur Archiv Marbach (D-MB), Sign. Z 1152

Herrn Baron von Gall
Intendant des Königl.
Hoftheaters
in
Stuttgart.


Cassel den 3ten September
1856.1

Hochwohlgeborner,
Hochverehrter Herr Baron,

Einer meiner frühern Bekannten, der Musikdirector Mascheck aus Prag, jetzt in Heilbron wohnhaft, bittet mich ihn in Bezug auf seine musikalischen Fähigkeiten Ew. Hochwohlgeborn zu empfehlen, weil er die Absicht habe, sich um die durch Lindpaintners Hinscheiden erledigte Stelle zu bewerben.
Da ich Mascheck als einen tüchtig durchvortrefflichen Operndirector kenne, und schon früher die Ehre gehabt habe, mit Ew. Hochwohlgeborn in Correspondenz zu stehen, so fühle ich mich gedrängt, hierdurch seinem Wunsche nachzukommen.
Maschek hat seine ersten Studien im Prager Conservatorium gemacht, war dann in mehreren Österreichschen Theaterorchestern Vorgeiger, auch in Wien zur Zeit wie Conradin Kreutzer Kapellmeister war, wurde dann als Musikdirector zu den Theatern in Augsburg und Basel berufen, in welcher Zeit ich ihn in Luzern 18502 kennen lernte, wo er ein großes Musikfest dirigirte bey welchem mein Oratorium „des Heilands letzte Stunden“ gegeben wurde. Damals habe ich ihn wahrhaft bewundert, wie er so meisterhaft den Chor eingeübt hatte und auch das Orchester zu einer Production herangebildet hatte, wie man es bis dahin in der Schweitz noch nicht erlebt hatte. Nachher habe ich ihn nochmals in einer sehr ehrenvollen Wirksamkeit in London3 angetroffen und daher die Überzeugung gewonnen, daß er als Operndirector seinen Platz vollkommen auszufüllen vermag.
Indem ich ihn daher Ihrem Wohlwollen angelegentlichst empfehle, habe ich die Ehre mit vollkommener Hochachtung und Ergebenheit zu unterzeichnen, als

Ew. Hochwohlgeboren
gehorsamst
Louis Spohr.

Erwähnte Personen: Kreutzer, Conradin
Lindpaintner, Peter von
Maschek, Ernst
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Des Heilands letzte Stunden
Erwähnte Orte: Augsburg
Basel
Heilbronn
Luzern
Prag
Wien
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Stuttgart>
Konservatorium <Prag>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1856090315

http://bit.ly/2EtEz7i

Spohr



Gall beantwortete diesen Brief am 06.09.1856.

[1] Links neben dem Datum von anderer Hand: „Spohr. / Maschek“. Unter dem Datum befindet sich der Antwortvermerk des Theaters: „Erwd.(?) 6 Sept 1856“.

[2] Offensichtlich ein Schreibfehler Spohrs: das Musikfest in Luzern war 1841 (vgl. Marianne Spohr, Tagebucheinträge 11.-18.07.1841; „Musikfest der schweizerischen Musikgesellschaft in Luzern“, in: Allgemeine musikalische Zeitung 43 (1841), Sp. 637ff.).

[3] Noch nicht ermittelt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (13.12.2018).