Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Meiningen, d 26. Feb. 1856.

Hochgeehrter Herr Generalmusikdirector!

Wenn Sie nunmehr die Güte haben wollten, mir Partitur nebst Orchesterstimmen (das Streichquartett doppelt) zu den letzten Dingen zukommen zu lassen, so würden Sie mich sehr verbinden, da ich nächsten Montag schon davon Gebrauch machen möchte. Ende März wird die Aufführung, wahrscheinlich als Gedächtnißfeier der verstorbenen Erbprinzessin1 in hiesiger Schloßkirche vom Singverein (70 Stimmen) und Herzoglicher Hofcapelle stattfinden. Den Tag werden Se. Hoheit der Herzog selbst bestimmen, weshalb ich Ew. Wohlgeborn um die Erlaubniß bitte,2 die Noten eine Woche länger behalten zu dürfen. Die Sänger studiren Ihr großartiges Werk mit viel Lust und Eifer und beweisen eine Ausdauer, wie ich sie noch nie hier3 gefunden. Den in meiner Seele tief eingeprägten Spohrischen Geist werde ich leicht dem mitwirkenden Personale mittheilen und unsern Hof und Publikum eine wahre Kunstgenuß dieser Meisterschöpfung zu verschaffen suchen. Sollten sich in Ihrer Privatmusikbibliothek noch eine kleine Anzahl Chorstimmen vorfinden, so würde ich deren Mittheilung mit vielem Dank anerkennen. Die meisten habe ich von Simrock in Bonn bezogen.
Verzeihen Sie, daß ich Ihre Unterstützung so sehr in Anspruch nehme und genehmigen Sie die tiefste Ehrerbietung und höchste Achtung, mit welcher ich so glücklich bin zu unterzeichnen
Ew. Wohlgeborn

dankbarer Schüler
Friedrich Nohr.

Autor(en): Nohr, Friedrich
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Bernhard II Sachsen-Meiningen, Herzog
Charlotte Sachsen-Meiningen, Erbprinzessin
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Die letzten Dinge
Erwähnte Orte: Meiningen
Erwähnte Institutionen: Singverein <Meiningen>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1856022640

http://bit.ly/3v04LQ9

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Nohr an Spohr, 12.12.1855. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Nohr an Spohr, 04.04.1856.

[1] Prinzessin Charlotte, geb. Prinzessin von Preußen, war am 30.03.1855 im Kindbett verstorben.

[2] Hier gestrichen: „mir“.

[3] „hier“ über der Zeile eingefügt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (18.02.2022).