Autograf: Biblioteca del Conservatorio Luigi Cherubini Firenze (I-Fc), Sign. B 2438 vol. 13 n. 603

Sr. Wohlgeb.
Herrn Hermann Wichmann
in
Berlin
Feilnerstraße


Cassel den 15ten
Januar 1856.

Hochgeehrter Herr,

Sie haben mir durch die freundliche Übersendung Ihres neuen Quartetts eine große Freude bereitet. Da es einige Tage vor unserer gewöhnlichen Quartettsoirée eintraf, so schickte ich es sogleich zu Bott und ließ ihn bitten es für dieselbe einzuüben, da ich selbst bereits ein Quartett von Feska und ein anderes von mir zum Vortrag ausgewählt hatte. Er trug es dann auch, nachdem wir es vorher probirt hatten, sehr gediegen und mit allgemeinem Beyfall vor. Ich hatte eine große Freude, Sie auf so gutem Wege und unangesteckt von der Formlosigkeit und abentheuerlichen Modulationssucht der Zukunftsmusiker zu finden, und gratulire Ihnen von Herzen, sich davon frei gehalten zu haben. Ihr Quartett hat mir vom Anfang bis zum Ende gefallen, ganz besonders aber der erste Satz und das Scherzo. Wir werden es recht bald einmal wiederholen, da es allgemeine Theilnahme fand. Die alten Bekannten, die Sie durch mich größen lassen1, waren zum Theil anwesend, und freuten sich mit mir, etwas so gelungenes Neues von Ihnen zu hören. Auch Frau von Malsburg war unter ihnen, die noch immer zu den eifrigsten Musikfreunden unsers Zirkels gehört.
Mit der Bitte mich und meine Frau ihren lieben Eltern angelegentlichst zu empfehlen, ganz

der Ihrige
Louis Spohr.

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Wichmann, Hermann
Erwähnte Personen: Bähr, Otto
Bähr, Sophie
Bott, Jean Joseph
Malsburg, Caroline von der
Pfeiffer, Minna
Wöhler, Marianne
Erwähnte Kompositionen: Wichmann, Hermann : Quartette, Vl 1 2 Va Vc, op. 19
Erwähnte Orte: Kassel
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1856011510

http://bit.ly/2v5kVez

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Wichmann an Spohr, 11.01.1856. Wichmann beantwortete diesen Brief am 21.02.1856.

[1] Laut Vorbrief: Otto und Sophie Bähr, Minna Pfeiffer und Marianne Wöhler.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (09.03.2020).