Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. Mus.ep. Spohr, L. 34

Cassel den 12ten August 1855.

Hochgeehrter Herr,

Die beyden Werke1, die Sie mir zur Durchsicht geschickt haben, habe ich wieder2 mit großem Interesse durchgesehen und mich des vielen Schönen, und Ihren Eigenthümlichkeiten, was sie enthalten, höchllich erfreut. Ich kann es ganz Ihrer Wahl überlassen, welches von beyden Sie mir dediciren wollen, und werde die Widmung mit gebührendem Danke annehmen. Beyde Werke gehören aber einer Kunstgattung an, für die es sehr schwer fällt einen Verleger zu finden, weil die Original-Ausgaben nur einen geringen Absatz haben können, und die Clavierauszüge nur dann Gewinn versprechen, wenn die Werke bey öffentlichen Aufführungen glänzenden Erfolg gehabt haben. Hat die Sinfonie sich bey den Aufführungen in Hamburg als efektreich bewährt, (was ich bey dem einfachen Durchsehen der Partitur mir nicht mit Sicherheit zu bestimmen getraue,) so würde ich Ihnen rathen sie an Herrn Julius Rietz, dem Musikdirektor der Gewandhaus-Concerte in Leipzig3 zu schicken mit der Bitte: eine Aufführung davon zu veranstalten. Gefällt sie dann, so findet sich in Leipzig wohl auch am leichtesten ein Verleger. (Es wird nöthig seyn, daß Sie ihm auch die Einsendung der ausgeschriebenen Orchesterstimmen anbiethen.)
Ihre Absicht, Ihr Oratorium „der Sünder” Herrn Hauptmann einzusenden, mit der Bitte eine Aufführung in Leipzig zu veranlassen, muß ich vollkommen billigen. Er wird sich, so wie ich, über das Werk freuen und ist's ihm möglich, auch Ihren Wunsch erfüllen. Doch mögte ich nochmals rathen, in den Chören einige Abkürzungen zu machen, besonders in dem in meinem Briefe näher bezeichneten[.] Meiner Empfehlung bey Hauptmann wird es nicht bedürfen, doch werde ich Gelegenheit nehmen, ihm von dem Werke zu schreiben.4
Mit dem herzlichen Wunsche, daß Ihre Unternehmungen zu einem gedeihligen(?) Ziele führen mögen, unterzeichnet hochachtungsvoll

Ihr
ergebener
Louis Spohr

Erwähnte Personen: Hauptmann, Moritz
Rietz, Julius
Erwähnte Kompositionen: Roda, Ferdinand von : Sinfonien
Roda, Ferdinand von : Der Sünder
Roda, Ferdinand von : Theomela
Erwähnte Orte: Hamburg
Leipzig
Erwähnte Institutionen: Gewandhausorchester <Leipzig>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1855081214

http://bit.ly/2IBTD07

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Roda an Spohr, 31.07.1855. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Roda an Spohr, 06.02.1856.

[1] Neben der im Folgenden noch einmal erwähnten Sinfonie noch Rodas Kantate Theomela.

[2] „wieder” über der Zeile eingefügt.

[3] „in Leipzig” über der Zeile eingefügt.

[4] Bisher nicht ermittelt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (28.06.2018).