Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 2° Ms. mus. 1500[Sp. 75,59

Cassel den 20sten Dec.
1853.

Hochgeehrter Herr Hofkapellmeister,

Nach genommener Rücksprache mit unserm Herrn Intendanten1 kann ich Ihnen die bestimmte Nachricht geben, daß die Oper „der Tannhäuser” in der 2ten Hälfte des Januar gegeben werden wird, und zwar zum ersten Mal mit einem abgeänderten Schluß, den uns Wagner ohnlängst zugesandt hat.2 Es läßt sich natürlicher Weise der Tag der Aufführung jetzt noch nicht bestimmen; doch werde ich nicht versäumen, ihn Ihnen wo möglich 8 Tage im Voraus zu melden.
Für Ihre freundliche Aufnahme meiner Nichte Rosalie, die sie mir bereits in einem Schreiben gerühmt hat3, sage ich Ihnen meinen herzlichen Dank. Das Mädchen hat großes Talent und großen Eifer, ist aber immer noch nicht mit ihrem Instrument zufrieden, weshalb mein Bruder mit ihr nach Paris gehen will, damit sie sich selbst eins bey Erard aussuchen kann.
Die Rezitative und Zusätze zu „Faust” stehen Ihnen gern gegen Ersatz der Copiatur-Gebühren zu Diensten. Die Oper wird nun auch hier sogleich nach Neujahr in der neuen Gestalt wieder eingeübt und von Neuem auf das Repertoire gebracht werden.
Ich bin um die Partitur und die Orchesterstimmen zum Oratorium: „der Fall Babylons” angegangen worden, und bitte daher, daß Sie mir beydes bald gefälligst zurücksenden wollen.4 Auch hat Herr Bargher noch einen Pot-pourri von mir, den er bey der Gelegenheit zurücksenden könnte.
Mit vorzüglicher Hochachtung

Ihr
ergebener
Louis Spohr

Erwähnte Personen: Heeringen, Josias von
Spohr, Rosalie
Wagner, Richard
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Der Fall Babylons
Spohr, Louis : Faust
Wagner, Richard : Tannhäuser
Erwähnte Orte: Detmold
Kassel
Erwähnte Institutionen: Erard <Paris>
Hoftheater <Detmold>
Hoftheater <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1853122008

http://bit.ly/29de6KW

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Kiel an Spohr, 15.12.1853. Kiel beantwortete diesen Brief am 10.01.1854.

[1] Josias von Heeringen.

[2] Dieser Brief ist derzeit verschollen.

[3] Dieser Brief ist derzeit verschollen.

[4] Demnach muss es zwischen diesem und dem letzten erhaltenen Brief noch mindestens eine Korrespondenz über die Übersendung des Aufführungsmaterials zu Der Fall Babylons gegeben haben.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (30.06.2016).