Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. ep. 1.6 <Schwencke 18490923>

Cassel den 7ten October
1852.

Hochgeehrter Herr,

Mit der innigsten Theilnahme erfahre ich durch Ihr liebes Schreiben den Tod Ihres Vaters, meines langjährigen Freundes, und beklage es nun doppelt, daß ich durch meine dießjährige Reise nach London, und den dortigen, anfangs nicht beabsichtigten, langen Aufenthalt verhindert wurde, Hamburg in diesem Jahre zu besuchen, was ich mir so fest vorgenommen hatte1, hauptsächlich um Ihren Vater nach 12 Jahren einmal wiederzusehen. So sterben nun meine alten Kunstgenossen, einer nach dem andern, weg, und ich fange an, mich in der neuen Künstlerwelt, für deren Treiben ich mich nicht interessiren kann, recht einsam zu fühlen. Ihr Vater war auch noch einer von den wenigen, die an der guten alten Schule festhielten, und sich mit Wiederwillen von der Verwilderung der Neuzeit abwandten. Ehre sey seinem Andenken!
Ihrer Frau Mutter bitte ich mich und meine Frau zu empfehlen und ihr zu sagen, daß wir ihren Schmerz tief mit empfinden.
Mit wahrer Hochachtung ganz

der Ihrige
Louis Spohr.

Erwähnte Personen: Schwencke, Johann Friedrich
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1852100713

http://bit.ly/2RFztHN

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Schwencke an Spohr, 04.10.1852. Schwenckes Antwortbrief ist derzeit verschollen.

[1] „hatte“ über der Zeile eingefügt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Wolfram Boder (06.12.2018).