Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Hochgeehrter Herr Kapellmeister!

Durch Herrn Dr. Lißt ist mir die interessante Mittheilung geworden, daß Ew Hochwohlgeborn aus Ihrer Oper „Faust” den Dialog verbannt und dazu Recitative componirt haben. In dieser neuen Gestalt mögte ich die Oper auf der hiesigen Bühne zur Aufführung bringen, und zwar, wenn nicht Hindernisse eintreten, zum 2ten Februar k.J., als dem Geburtstag Sr Königl Hoheit des Großherzogs. Ich erlaube mir nun, schon jetzt mich an Ew Hochwohlgeboren mit der Bitte zu wenden, die Partitur der Oper incl. der neuen Recitative mir gütigst zukommen lassen zu wollen, damit neben den übrigen Vorbereitungen auch hiefür während der Sommerferien gesorgt werden könne. Rücksichten auf die Etats-Verhältnisse und Rechnungsführung veranlassen mich zu gleicher Zeit zu der Bitte, Ew Hochwohlgeboren wollen gestatten, daß das Honorar erst Ende August oder Anfang September übersandt werde, da in der laufenden Jahres-Rechnung Ausgaben für die folgende Saison nicht figuriren dürfen.
Entschuldigen Sie, hochgeehrter Herr und Meister, diese prosaische Geschäftsbehandlung; Weimar schmeichelt sich mit der Hoffnung, Sie in seinen Mauer zu begrüßen, und sollte diese Aussicht sich realisiren, so würde sich keiner mehr freuen als

Ew Hochwohlgeboren
aufrichtiger Verehrer
Beaulieu Marconnay
Großhzl S. Hofmarschall,

Weimar, 22 Mai 1852

Autor(en): Beaulieu-Marconnay, Karl Oliver von
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Carl Friedrich Sachsen-Weimar-Eisenach, Großherzog
Liszt, Franz
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Faust
Erwähnte Orte: Weimar
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Weimar>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1852052243

http://bit.ly/2grI02J

Spohr



Franz Liszt kündigte diesen Brief in seinem Brief an Louis Spohr vom 29.04.1852 an. Spohrs Antwortbrief ist nicht datiert.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (09.12.2016).