Autograf: Stiftelsen Musikkulturens Främjande Stockholm (S-Smf), Sign. LTR 6085

Sr. Hochwohlgeb
Herrn Hofkapellmeister
Dr. F. Liszt
in
Weimar.


Cassel den 4ten Mai

Hochverehrter Herr College,

Es freut mich sehr, daß Sie beabsichtigen den „Faust” in seiner neuen Gestalt auf Ihre Bühne zu bringen, und da Sie bereits wegen der Partitur bey Herrn Peters haben anfragen lassen, so beeile ich mich Ihnen zu melden, daß dieser nur Eigenthümer des Clavierauszugs ist, daß ich mir aber, wie bey allen meinen Opern, den Verkauf der Partitur vorbehalten habe. Das Honorar für eine jede meiner Opern war von jeher auf 20 Friedrichsd’or festgesetzt; für diese Summe offerire ich auch den „Faust” in seiner neuen Gestalt in 3 Akten, mit Rezitativen und 2 Einlagen, die im Clavierauszug nicht enthalten sind. Da ich wünsche daß die Abschrift der Partitur nur von meinem Abschreiber gemacht werde, weil ich mich auf diesen in Bezug auf schöne Schrift und Correktheit ganz verlassen kann, so werden dazu 3 Wochen erforderlich seyn. Ich würde demnach, wenn die Bestellung bald erfolgen sollte, Ende dieses Monaths die Partitur einsenden können.
Da ich, wie Sie wissen, sehnlich wünsche, Sie in Ihrem jetzigen Wirken zu sehen, so werde ich gewiß nicht versäumen, zur ersten Aufführung des „Faust” nach Weimar zu kommen; es müßten sich denn von Seiten des Kurfürsten mir ganz unübersteigliche Hinderniße in den Weg stellen. Sollten Sie dann während meiner Anwesenheit in Weimar auch noch eins meiner Orchesterwerke zur Aufführung bringen wollen, so kannich Ihnen von mehreren meiner Sinfonien Partitur und Stimmen dazu brogen, und auch im Voraus einsenden.
Mich allso der freudigen Hoffnung hingebend Sie im Laufe dieses Sommers oder Herbstes zu sehen, verbleibe ich mit vorzüglicher Hochachtung und Ergebenheit ganz

[der Ihrige
Louis Spohr.]1

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Liszt, Franz
Erwähnte Personen: Friedrich Wilhelm Hessen-Kassel, Kurfürst
Peters, Carl Friedrich
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Faust
Erwähnte Orte: Weimar
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Weimar>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1852050413

http://bit.ly/2euHZGC

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Liszt an Spohr, 29.04.1852. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Liszt, 21.10.1852.

[1] Textverlust durch Siegelausriss.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (20.10.2016).