Autograf: letzter Nachweis Versteigerung Sotheby‘s 04.12.2007, Los 129
Digitalisat: siehe Autograf (teilweise)
Druck 1: Hermann Erler, Robert Schumann‘s Leben. Aus seinen Briefen, Bd. 2, Berlin 1887, S. 125f.
Druck 2: H[ans] M[ichael] Schletterer, „Robert Schumann‘s Briefe an Louis Spohr“, in: Neue Zeitschrift für Musik 89 (1893), S. 74f. und 85f., hier S. 85
Druck 3: Autographen-Sammlung enthaltend Musiker-Briefe und Musik-Manuskripte aus dem Nachlasse des berühmten Komponisten Louis Spohr (1784-1859) nebst Beiträgen aller Art (Fürsten,Staatsmänner, Dichter, Gelehrte, Künstler, etc.) aus dem Besitz eines bekannten Berliner Sammlers. Versteigerung zu Berlin Montag, den 15. und Dienstag, den 16. Oktober 1894 (= Katalog Liepmannssohn), Berlin 1894, S. 66
Druck 4: Robert Schumanns Briefe. Neue Folge, hrsg. v. F. Gustav Jansen, 2. Aufl., Leipzig 1904, S. 330f.
Druck 5: Heinz Krause-Graumnitz, Vom Wesen der Oper. Opernkomponisten in Autobiographien, Vorreden und Briefen, Werk-Erkläuterungen und anderen Dokumenten über die Oper, Berlin 1969, S. 162f. (teilweise)
Druck 6: Julia M. Nauhaus, Musikalische Welten. Clara und Robert Schumanns Verbindungen zu Braunschweig, Sinzig 2010, S. 164f.

<Verehrtester Herr und Meister,

Mit freudiger Theilnahme haben wir Sie und Ihre Frau Gemahlin im Geist auf Ihrer letzten Reise begleitet, und erfahren jetzt von Hrn. Hauptmann, daß Sie glücklich wieder in Cassel eingetroffen sind.1 Es waren schöne und bedeutende Tage in Leipzig, für mich insbesonder, daß Sie gegenwärtig waren, daß Ihnen mein dramatisches Erstlingswerk einiges Interesse einzuflößen schien.2
Der letztere Umstand giebt mir denn auch Muth zu einer Anfrage. Würde es schwer halten, zu einer Aufführung in Cassel zu gelangen? Dürfte ich dabei auf Ihre gütige Unterstützung hoffen – und würden Sie mir die Schritte anzeigen, die ich zunächst zu thun hätte? -
Was über den äußerlichen Erfolg der Oper in Leipzig zu sagen wäre, reducirt sich, wenn ich anders ein Urtheil darüber habe, auf folgendes: die 1ste Aufführung war eine in Folge eines großen Fehlers, der alle verwirrte, ziemlich verunglückte3; desto> {mehr nahmen sich alle in der 2ten Aufführung zusammen; die gerundetste und lebendigste, und vom Publicum mit dem größten Beifall aufgenommen war aber jedenfalls die 3te Aufführung, - und wenn auch die scenische Ausstattung überall noch viel zu wünschen übrig ließ, so ist mir doch zu meiner Freude so viel klar geworden, daß die Oper, wird sie mit einiger Liebe gehegt, eine lebendige Wirkung nicht verfehlen kann, um so mehr dieses, wenn ich sie einer Meisterhand anvertraut wüßte. Der Natur und Wahrheit nahe zu kommen, dies war mein höchstes Streben immer; wer etwas anderes erwartet, der wird sich freilich in der Oper getäuscht finden.
Hielten Sie nun, verehrtester Herr, eine Aufführung der Oper in Cassel für möglich, so würde mir das eine große Freude sein. Und da Düsseldorf ja nicht so weit entfernt ist, so würde ich, wenn anders es angeht, mir es kaum versagen, selbst dazu hinzukommen. Wir sind nämlich schon in der Unruhe der Abreise, weshalb ich Sie auch bitten wollte, Ihre gütige Antwort auf diese Zeilen nach Düsseldorf zu adressiren.
Sobald der Clavierauszug erschienen ist, binnen 6-7 Wochen etwa, möchte ich mir jedenfalls erlauben, ihn Ihnen zuzuschicken. Auch ein Exemplar der Partitur liegt fertig da, wenn Sie sie vielleicht vorher zur Ansicht begehrten.
Empfangen Sie denn auch im Voraus meinen Dank für die Mühe, die Ihnen durch meine Bitte etwa erwachsen sollte, und nebst ergebenen Grüßen meiner Frau an Ihre Frau Gemahlin
die Versicherung meiner unbegrenzten Hochachtung

Ihres
ergebenen
Robert Schumann

Dresden,
den 27sten August 1850.}

Autor(en): Schumann, Robert
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Hauptmann, Moritz
Spohr, Marianne
Erwähnte Kompositionen: Schumann, Robert : Genoveva
Erwähnte Orte: Düsseldorf
Leipzig
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Stadttheater <Leipzig>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1850082741

http://bit.ly/2QeTbcX

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Schumann, 20.01.1843. Spohr beantwortete diesen Brief am 13.09.1850.
Der in dreieckige Klammern (<>) gefasste Teil ist nach dem Digitalisat auf der Auktionshompage transkribiert. Der in geschweifte Klammern ({ }) gefasste Rest des Briefs erfolgt der Wiedergabe in Druck 1.

[1] Bezieht sich vielleicht auf Spohr an Moritz Hauptmann, 08.07.1850.

[2] Spohr besuchte vom 22. bis 24.06.1850 Proben von Schumanns Genoveva in Leipzig, reiste aber bereits vor der Premiere am 25.06. weiter nach Dresden (vgl. Marianne Spohr, Tagebucheinträge 22. bis 25.06.1850).

[3] Vgl. P.Z., „Leipzig“, in: Neue Zeitschrift für Musik 32 (1850), S. 275f., hier S. 275.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (02.11.2018).