Autograf: verschollen
Druck: Louis Spohr, Louis Spohr’s Selbstbiographie, Bd. 2, Kassel und Göttingen 1861, S. 329 (teilweise)

In Folge dieser beklagenswerthen Verhältnisse wurde über mehrere Hauptstädte Deutschlands der Belagerungszustand verhängt, und gleiches Schicksal traf im Frühjahr 1849 namentlich auch Breslau, wohin Spohr gerade um diese Zeit eine Einladung von den dortigen Musikfreunden erhalten, die er jedoch für die nächste, ohnedies zu einer Brunnenkur in Carlsbad bestimmte Ferienzeit nun um so entschiedener ablehnte, da (wie er an Hesse schrieb) „er in einer Stadt, wo der Belagerungszustand proklamirt und die in der Nationalversammlung festgestellten deutschen Grundrechte aufgehoben seien, doch nicht frei athmen, viel weniger aber musiciren könne." Indem er ihn dann auf einen Besuch im folgenden Jahre vertröstete, fügte er hinzu: „Bis dahin wird Alles entschieden sein! Entweder haben wir das hohe Ziel erreicht, oder wir sind in die alte Sklaverei zurückgefallen! Ist das erste, dann kann man wieder mit ganzer Seele sich der herrlichen Kunst hingeben! Verhängt ein unerbittliches Geschick das zweite, so muß man sich in die Kunst vergraben, um den Jammer der Zeit zu vergessen. Jedenfalls wird man zum Musiciren mehr aufgelegt sein, als jetzt in der Zeit der höchsten Spannung ... Leben Sie wohl in Ihrer grabesruhigen Stadt unter der Säbelherrschaft, wenn's möglich ist."

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Hesse, Adolph
Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Breslau
Karlsbad
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1849053101

http://bit.ly/1QjWKWF

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Hesse an Spohr, 11.05.1849. Hesse beantwortete diesen Brief am 05.11.1849.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (19.04.2016).