Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. ep. 1.2 <18490504>

Breslau d. 4 Mai 1849.

Hochgeehrtester Freund und Gönner!

Jetzt ist es die höchste Zeit Sie an Ihr, mir im vorigen Jahre gegebenes Versprechen zu erinnern. Hoffentlich werden Sie uns in diesem Jahre die Ehre Ihres Besuches schenken; die Befürchtungen in politischer Hinsicht sind immer größer, als sichs nachher herausstellt, so auch im vorigen Jahre, wo Sie ruhig hätten zu uns kommen können. Schreiben Sie mir nur recht bald. Ich dirigire jetzt sehr viele Konzerte, seit vorigen Herbst wöchentlich eins der Theaterkapelle und haben wir schon die namhaftesten Sinfonien und Ouverturen gegeben, und zwar sehr gut. Von Ihren Werken schon wenigstens 7 oder 8. Am 1sten gab Thalberg hier Konzert und hatte brillante Einnahme.1 Vorgestern wurde die Schöpfung im Theater zum Benefiz des Kapellm. Seidelmann vortrefflich gegeben,2 und waren schon 5 Tage vorher keine Billets mehr zu haben; gestern dirigierte ich im Theater-Kapellkonzert die Sinfonie eroica und die Ouverture zu Lodoiska, und am vorigen Mittag spielte Thalberg in einem Privat-Zirkel Beethovens Trio in b (op 97) ganz vortrefflich. Wie sehne ich mich nach Ihnen und Ihrer Violine. Schreiben Sie mir ja recht bald. Unser Theater-Orchester ist jetzt recht in das Sinfoniespielen hineingekommen, Jessonda möchten wir auch unter Ihrer Leitung hören und dann Doppelquartett (in e moll), Quartett in es [Nbs.]
und andere schöne Sachen, die Sie uns vorführen. Unser Gebirge ist auch nicht übel und eignet sich sehr schön zu Ausflügen. Bitte also nochmals um baldige Nachricht.
Viele Grüße an Ihre Frau Gemahlin und alle Verwandte und Bekannte.

Hochachtungsvoll
Ihr
dankbarer Verehrer
A. Hesse.



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Hesse an Spohr, 22.11.1848. Der nächste Brief dieser Korrespondenz ist Hesse an Spohr, 11.05.1848.

[1] Vgl. „Breslau”, in: Neue Berliner Musikzeitung 3 (1849), S. 150; „Breslau”, in: Revue et Gazette Musicale de Paris 13.05.1849, nicht paginiert.

[2] Vgl. „Breslau”, in: Revue et Gazette Musicale de Paris 13.05.1849, nicht paginiert.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (19.04.2016).