Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287[Muehlenbruch,H.:7

Schwerin, am 1. Mai 1849.

Hochgeehrter Meister!

Die Ueberbringerin dieser Zeilen, Fräulein Zizold aus Braunschweig, hat mich so dringend gebeten, sie brieflich bei Ihnen einzuführen, daß ich nicht umhin gekonnt habe, zur Erfüllung solchen Wunsches mir die Freiheit gegen Sie zu erlauben. Diese junge Dame (Schwester des Flötisten Zizold, über welchen Sie mir vor einigen Jahren ein so ehrenvolles Zeugnis sendeten1) wurde vor einem Jahre, nachdem sie eine Zeitlang in Dresden ihre Gesangsstudien gemacht hatte, bei der hiesigen Bühne angestellt; sie machte bald nach ihren ersten theatralischen Versuchen gute Fortschritte in der Darstellung, u. würde gewiß ihr Talent noch mehr entfaltet haben, wenn die Verhältnisse ihr zu noch häufigerer Beschäftigung günstig gewesen wären. Was ihre Leistung im Gesange betrifft, so brauche ich Ihrem persönlichen Urtheile, gewichtiger als das meine, nicht vorzugreifen. Sie werden, wenn Sie Fräul. Zizold auch nur im Zimmer hören, bald erkennen, ob sie dort zu gastiren fähig u. würdig ist; wenn selbst ihrem dortigen Auftreten Hindernisse entgegenständen, so wird sie sich immerhin glücklich schätzen, Sie persönlich kennen gelernt zu haben, und sie wird von Ihnen gewiß jeden Rath oder Wink für ihre künstlerische Fortbildung mit Dank aufnehmen.
Indem ich noch um eine gütige Aufnahme dieser Zeilen bitte, schließe ich – von der gestrigen Jessonda-Aufführung auf's neue erregt – mit der Versicherung meiner innigsten Hochachtung und Verehrung als

Ihr Ergebener
H. Mühlenbruch

Autor(en): Mühlenbruch, Heinrich
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Zizold, Antonie
Zizold, August
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Jessonda
Erwähnte Orte: Dresden
Schwerin
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Schwerin>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1849050140

http://bit.ly/2HRvJR0

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Mühlenbruch an Spohr, 24.07.1835.

[1] Der hier erwähnte Brief Spohrs an Mühlenbruch ist derzeit verschollen.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Wolfram Boder (03.06.2019).