Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. ep. 1.3 <Zahn 18490304>

An Frau Emilie [Zahn]1
N[ew York]
Nro. 569 [Broadway]
Corner [of Prince]


Cassel den 4ten
März 1849.

Liebe Emilie,

Diese Zeilen wird Dir Herr Kapellmeister Pott aus Oldenburg überbringen, wie Du Dich erinnern wirst, einer meiner früheren Schüler und jetzt einer der ersten Geiger Deutschlands. Seine Frau, eine augezeichnete Pianistin begleitet ihn und sie haben die Absicht in den amerikanischen Städten Concerte zu geben. Da ich mit der Familie sehr befreundet bin, so bitte ich Dich und Deinen lieben Manne, Ihnen mit Rath und Tath nach Kräften behülflich zu seyn. Herr Pott hat in Europa einen großen Ruf, da er in London, Paris, Wien und Stockholm mit gleich großem Erfolg Concerte gegeben hat. Auch als Dirigent hat er sich einen Namen gemacht und unter anderem das Musikfest bey der Erichtung der Mozarts-Statue in Salzburg, so wie das 4te Elbmusikfest dirigiert. Sollte man in Amerika während seiner dortigen Anwesenheit ein Musikfest (wie es damals, als man mich einlud2 programiert wurde,) zu Stande bringen wollen, so wäre er der Mann, an den man sich zu wenden hätte! – Ist Herr Hill noch in Newyork, so bitte ich Dich Herrn K. Pott mit ihm bekannt zu machen und ihm das vorstehende mitzutheilen.
Da wir, wills Gott, nun bald die Freude haben werden, Dich und unser liebes Thalchen3 hier zu sehen, so schreibe ich Dir von unserer großen deutschen Angelegenheit, die ihrer letzten Entwicklung in Frankfurt nun entgegen sieht, hier weiter nichts. Die Freiheit haben wir Hessen und die meisten anderen Deutschen nun vollständig errungen und werden sie zu bewahren wissen; die Einheit wird leider von Östreich und Rußland noch nach Kräften gehindert, aber hoffentlich nicht lange mehr! Ob es aber nicht noch am Ende einen allgemeinen Europäischen Krieg geben wird, ist noch nicht vorauszusehen, wohl aber, wenn es dazu kommt, daß wir mit der Republik enden werden! – Bey uns und den Wolff'schen Hause ist alles wohl. Das kleine Mädchen4 gedeihet sehr gut. Auch in Braunschweig5 sind sie alle wohl.
Der Himmel gebe Euch eine recht glückliche Überfahrt. An Zahn die herzlichsten Grüße.
In der Hoffnung Dich nun recht bald umarmen zu können,
[...]6

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Zahn, Emilie
Erwähnte Personen: Hill, Ureli Corelli
Pott, Aloise
Pott, August
Spohr, Friedrich
Wiegand, Nathalie
Zahn, Johann Wilhelm
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Braunschweig
London
New York
Oldenburg
Paris
Salzburg
Stockholm
Wien
Erwähnte Institutionen: Elbe-Musikfeste <wechselnde Orte>
Mozartfest <Salzburg>
Musikfeste <New York>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1849030400

http://bit.ly/2WqmEGc

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Zahn an Spohr, 19.10.1848. Zahn beantwortete diesen Brief am 17.04.1849. Zuvor sandte Spohr an Zahn einen weiteren Brief am 26.03.1849, der einen derzeit verschollenen Brief von Zahn an Spohr beantwortet.

[1] Textverlust durch Ausschnitt der unteren Seitenhälfte. Ergänzung der Adresse nach Spohr an Zahn, 04.08.1846.

[2] Vgl. Ureli Corelli Hill an Spohr, 16.11.1844.

[3] Emilie Zahns Tochter und damit Spohrs Enkelin Nathalie später verh. Wiegand.

[4] Die knapp einjährige Sophie Wolff (vgl. [Ludwig] Spohr, Spohr'sches Familienbuch. Genealogie der Familie Spohr aus Alfeld und kleine Beiträge zu einer Familien-Chronik, Karlsruhe 1909, S. 44).

[5] Spohrs Brüder Wilhelm und August lebten mit ihren Familien in Braunschweig.

[6] Textverlust durch Ausschnitt der unteren Seitenhälfte.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Neele Nolda (29.04.2020).