Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287


Mein hochverehrter Gönner!

Meine stete Verehrung und Anhänglichkeit an Ihre Person beseelt auch meine besseren Schüler in dem Grade, daß ich fast nothgedrungen bin, Sie mit einigen Zeilen belästigen zu müssen.
Ich habe nemlich einen Schüler Namens Hanke [welcher] nur gute Musik, (soweit er solche zu beurtheilen [im] Stande ist) liebt, hauptsächlich aber zeigt er eine große Hinneigung zu Ihren Violincompositionen, die er fast sämmtlich bei mir gespielt hat.
Hanke ist ein höchst fleißiger und ordnungsliebender junger Mensch von 16 Jahren, und was bei Ihm besonders hervor gehoben werden muß, ist seine gute Auffassungsgabe die einem Lehrer viele Mühe erspart, zudem ist er ein sehr fertiger Notenleser, die Bogenführung und Fingersatz sind regelmäßig u. gut, Intonation nur zuweilen etwas scharf, im Ganzen jedoch bedeutend besser und sicherer wie bei Neumann, der Alles ohne Verstand und ohne Nachdenken machte.
Es ergeht nun die ergebene Bitte an Sie, den H. Hanke in die Zahl Ihrer Schüler aufnehmen zu wollen, und habe ich den Vater desselben mit den Bedingungen soweit ich sie kenne bereits bekannt gemacht.
Hesse empfiehlt sich Ihnen bestens, und wir freuen uns alle herzlich Sie recht bald in Breslaus Mauern begrüßen zu können.
Ist nicht vor Kurzem auch ein Schüler von mir Namens Richter bei Ihnen angemeldet worden? Er ist zwar ein talentvoller aber dabei ein höchst unstäter Mensch, der weder bei mir noch bei Müller in Braunschweig ausgehalten hat, besonders hat er mir meine große Mühe und Sorgfalt für ihm1 mit Undank belastet.
Mit aller Verehrung

Ihr
dankbarer
Moritz Schoen.

Breslau
den 20 Februar 1848.

Autor(en): Schoen, Moritz
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Hancke (Schüler von Spohr)
Hancke, A.
Hesse, Adolph
Richter (Schüler von Spohr)
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1848022040

http://bit.ly/34f6ORp

Spohr



Der letzte erschlossene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Schoen, bis 18.01.1845. Spohr beantwortete diesen Brief nur mit einem knappen Gruß in Spohr an Adolph Hesse, 28.02.1848. Dieser Brief lag als Empfehlung dem Brief A. Hancke an Spohr, 23.02.1848 bei.

[1] Sic!

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (01.10.2020).