Autograf: Historical Society of Pennsylvania, Philadelphia (US-PHhs), Sign. Simon Gratz Collection 13/16/63

Sr. Wohlgeb
Herrn Hofkapellmeister
Dr. H. Marschner
in
Hannover

frei.


Cassel den 13ten
April 1847.

Hochgeehrter Freund,
Wir stehen mit Ihrem Tenoristen Herrn Mertens wegen Engagement in Unterhandlung, da leider alle Aussicht verschwunden ist, daß Derska je wieder singen werde. Herr Mertens wird im August bei uns gastiren1; da aber unsere Intendanz sehr daran liegt, schon jetzt etwas über seine Leistungen zu erfahren, da sie auch noch mit einem andern unterhandelt, so bin ich so frei mich an Sie mit der ergebensten Bitte zu wenden, mir über Stimmlage, Umfang, Vortragsweise u.s.w. des Herrn Mertens2 Ihre Meynung gefälligst mittheilen zu wollen, damit die Intendanz schon jetzt berurtheilen könne, ob Herr Mertens uns auch den Platz eines ersten Tenoristen genügend ausfüllen werde. Da mir gesagt ist, daß Herr Mertens jedenfalls Ihre Bühne verläßt3, so habe ich kein Bedenken getragen, mich mit der vorstehenden Bitte direkt an Sie zu wenden und sehe Ihrer Gefälligkeit einer baldigen Gewährung entgegen.
Mit wahrer Hochachtung und Freundschaft ganz

der Ihrige
Louis Spohr.

NS. Es kommt mir beym Zumachen des Briefs der Scrupel, ob ich auch den Namen des fraglichen Sängers richtig gehört und geschrieben habe? Sollte dieß nicht der Fall seyn, so werden Sie doch ohne Zweifel wissen, von wem die Rede ist. –

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Marschner, Heinrich
Erwähnte Personen: Derska, Johann Joseph
Mertens, Hermann
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Hannover
Kassel
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Hannover>
Hoftheater <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1847041315

http://bit.ly/2dYsKYJ

Spohr



Der letzte überlieferte Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Marschner, 05.11.1833. Ein Antwortbrief von Marschner lässt sich derzeit nicht belegen.

[1] Zu den zahlreichen Tenor-Gastspielen in der Derska-Nachfolge vgl. „Aus Cassel”, in: Neue Zeitschrift für Musik 27 (1847), S. 274 und 287f., hier S. 287.

[2] Hier ein Wort gestrichen.

[3] Hermann Mertens blieb bis 1852 am Hoftheater in Hannover (vgl. Georg Fischer, Musik in Hannover, 2. Aufl., Hannover und Leipzig 1903, S. 124).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (17.10.2016).