Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms.hist.litt.15[161
Druck: Wolfram Boder, Die Kasseler Opern Louis Spohrs. Musikdramaturgie im sozialen Kontext, Bd. 1, Kassel 2007, S. 14 und 341 (teilweise)
Beleg: Goetheautographen, Goethe in den Briefen seiner Zeitgenossen, Briefe aus dem Weimarer Kreis, Briefe deutscher Dichter und Schriftsteller, Musikerautographen aus dem Nachlaß Friedrich Schneiders in Dessau († 1853) und anderem Besitz. Versteigerung 19. Mai 1913 (= Katalog Henrici 15), Berlin 1913, S. 61

Sr. Wohlgeb.
Dem Herrn Hofkapellmeister
Dr. Fr. Schneider
in
Dessau


Cassel den 30sten
April 1846.

Hochgeehrter Freund,

Sehr gern werde ich auf Ihre Fürsprache dem Herrn Direktor Greiner das Honorar für meine Oper Faust bis auf 10 Friedrichsd’or ermäßigen, doch bin ich außer Stande, eine correkte Partitur davon früher als bis zum Beginn unserer Ferienzeit, Mitte Juni, schreiben zu lassen, da von jetzt bis zu jenem Zeitpunkte unsere drei guten Copisten mit dem Ausschreiben der diesjährigen Geburtstagsoper, die vor den Ferien noch aus dem gröbsten eingeübt werden muß, ausschließlich beschäftigt sind. Will aber Herr Greiner die Partitur in Braunschweig oder Berlin schreiben lassen, so werde ich einen Erlaubnisschein dazu ausstellen und 16 Rth. am Honorar schwinden lassen. Das Buch kann hier copirt werden.
Doch mögte ich Herrn Greiner rathen, lieber meine neue Oper „Die Kreuzfahrer“ in Scene zu setzen, da diese Oper für Sänger, Chor und Orchester viel leichter ist wie Faust und auf das große Publikum mehr Anziehungskraft ausübt, wie sich das hier wenigstens mit jeder Aufführung immer mehr bewährt hat. Das Honorar würde ich ebenfals auf 10 Friedrichsd’or ermäßigen, da mir daran liegt, daß die Oper sich wenigstens in dem protestantischen Deutschland verbreite. Denn in dem katholischen findet sie leider bey der jetzigen, in religiöser Beziehung, aufgeregten Zeit allenthalben Anstand und selbst in Dresden, wohin ich im vorigen Herbst eingeladen war sie zu dirigiren (wozu ich den Urlaub nicht erhalten konnte,) wagt die Intendanz, (des katholischen Hofes wegen,) sie nun nicht mehr zu geben.1 In Dessau wird man aber eben so wenig Anstoß finden wie hier und in Berlin. – Die Partitur der Kreuzfahrer könnte ich sogleich einsenden, da noch eine Abschrift vorräthig ist, die für München bestimmt war.
Leben Sie wohl. Mit wahrer Hochachtung und Freundschaft ganz

der Ihrige
Louis Spohr

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Schneider, Friedrich
Erwähnte Personen: Greiner, Michael
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Faust
Spohr, Louis : Die Kreuzfahrer
Erwähnte Orte: Kassel
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Braunschweig>
Hoftheater <Dessau>
Hoftheater <Dresden>
Hoftheater <Kassel>
Königliche Schauspiele <Berlin>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1846043012

http://bit.ly/2BbjNqJ

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Schneider an Spohr, 28.04.1846. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Schneider an Spohr, 08.09.1846.

[1] Vgl. August von Lüttichau an Spohr, 05.03.1846.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Wolfram Boder (11.12.2017).