Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Hochgeehrtester Herr Capellmeister!

Am Sonntag den 21sten d.M. wurden die Kreuzfahrer hier zum erstenmal aufgeführt, und ich wünschte, daß Sie verehrter Meister zugegen gewesen wären. Die Oper ging vortrefflich, und gefiel so außerordentlich, wie ich es hier noch nicht erlebt habe. Selbst die Chöre wurden stürmisch applaudirt. Ich hätte die Oper schon früher zur Aufführung bringen können, allein ich wollte dieselbe tadellos geben und es ist mir, wie ich sagen darf gelungen; Schmidt (Balduin) Frau v. Poissl (Cölestine) Dem. Fricke Emma Hr. Sieber (Emir) waren ausgezeichnet, ebenso die kleineren Parthien. Die Frau v. Poissl, der weder hinsichtlich der Stimme, Colleratur und Ausdauer nichts zu schwer ist, wünscht eine Arie, und ich verbinde meine Bitte mit der ihrigen, daß Sie für die Aebtissin eine Arie schreiben möchten, z. B. im 1sten Act nach der Verwandlung. Freitag am 2ten Weihnachtstage wird die Oper wiedergegeben. Auf dem nächsten Repertoir steht Faust und Jessonda. Von ganzem Herzen wünsche ich, daß Sie noch viele Jahre der Tonkunst als erster deutscher Meister vorstehen mögen.
Ich bleibe mit der größten Hochachtung und Ergebenheit

Ihr dankbarer
AugKiel

Detmold d. 23sten Decembr. 1845.

Autor(en): Kiel, August
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Fricke, Angelika
Poißl, Louise von
Schmidt, Heinrich Maria
Sieber, Ferdinand
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Faust
Spohr, Louis : Jessonda
Spohr, Louis : Die Kreuzfahrer
Erwähnte Orte: Detmold
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Detmold>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1845122338

http://bit.ly/294us6F

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Kiel an Spohr, 30.01.1845. Dazwischen liegt vermutlich noch ein derzeit verschollener Brief von Spohr an Kiel. Spohr beantwortete diesen Brief am 31.12.1845.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (29.06.2016).