Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. ep. 1.2 <18450913>

Breslau d. 13 Sept. 45.

Hochgeehrtester Freund und Gönner!

In meinem Schmerze über das versäumte Bonner Musikfest habe ich Ihnen einen sehr konfusen Brief geschrieben, den ich aus Ihrem Gedächtnis zu streichen bitte, sollte Sie etwas darin unangenehm berührt haben, so verzeihen Sie mir es gütigst. Vielleicht arrangiren Sie in Kassel bald einmal ein großes Musikfest oder sollte das nicht sein, so will ich vielleicht zu Pfingsten zum Rheinischen Feste reisen und Kassel besuchen. Nach dem Bonner Feste dürfte Ihr Kurprinz doch vielleicht einen Ehrgeiz dareinsetzen auch in seiner Residenz unter Ihrer Leitung ein großes Fest stattfinden zu lassen, ich würde dabei gewiß nicht fehlen. Hr. Rosenkranz ist leider nur 4 Wochen hier gewesen; er hat im Orgel-Institute des Hr. Organist Seidel gespielt, dann die dort eingeübten Sachen mir vorgetragen und meine Ansichten über Spiel und Kompositionen gehört, so daß ich glaube er hat jetzt einen andern Begriff von der Sache bekommen. Übrigens ist er ein guter lieber Mensch, mit dem ich gern umgegangen bin. Ihre Oper und die Quartette1 in Berlin tönen in mir immerfort, die Genüsse waren in der That sehr groß, doch hätte ich Bonn auch gern noch besucht, da das Zusammensein mit so vielen Künstlern mich sehr interessiert hätte, wenn gleich ich sie alle kenne und in meinem Album habe. Schreiben Sie mir doch recht bald einige Zeilen.
Ihrer Frau Gemahlin, deren sowie Ihrer Familie, empfehlen Sie mich hochachtungsvoll.

Ich bin wie immer
Ihr
ergebenster und dankbarer Verehrer
Adolph Hesse

Autor(en): Hesse, Adolph
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Friedrich Wilhelm Hessen-Kassel, Kurfürst
Rosenkranz, August
Seidel, Johann Julius
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Die Kreuzfahrer
Spohr, Louis : Quartette, Vl 1 2 Va Vc, op. 45.2
Erwähnte Orte: Berlin
Bonn
Breslau
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1845091331

http://bit.ly/1LQWFc0

Spohr



Der letzte Brief dieser Korrespondenz ist Hesse an Spohr, 22.08.1845. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Hesse an Spohr, 07.10.1845.

[1] Marianne Spohr erwähnt in ihrem Tagebuch nur „2 seiner reizendsten Quartette” (Eintrag 25.07.1845). Aus Hesse an Spohr, 22.10.1845 geht hervor, dass eins der gespielten Quartette wohl op. 45.2 war.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (26.10.2015).