Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. ep. 1.1 <18450802>

Sr. Wohlgeb
Herrn Musikdirektor
Adolph Hesse
Oberorganist
in
Breslau.


Cassel, 2ter August
1845

Geliebter Freund,

Der Überbringer dieser Briefes, Herr Rosenkranz, ein junger talentvoller Künstler, hatte mich beauftragt, Sie zu bitten, ihm während seiner 6wöchentlichen Sommerferien Unterricht im Orgelspiel zu geben. Ich habe es bisher in Gewühl des Berliner Lebens ganz vergessen, hoffe aber, Sie werden meinem Empfohlenen meine Vergeßlichkeit nicht entgelten lassen und ihn auf die kurze Zeit als Schüler annehmen: Wie weit Herrn Rosenkranz als Orgelspieler ist, weiß ich zwar nicht. Aber auf dem Pianoforte hat er viel Fertigkeit, auch Kentniß der Harmonie, wie manche recht gelungene Kompositionen beweisen.
Nehmen Sie meinen Empfohlenen, der ein gebildeter junger Mann ist, freundlich auf und schenken Sie uns ihn als geschickten Schüler wieder.
Morgen früh reise ich nach Bonn1 ab und kehre mit Benedict, der seine Oper hier hören will2, am 15t wieder zurück.
Leben Sie wohl.

Von Herzen
der Ihrige
Louis Spohr

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Hesse, Adolph
Erwähnte Personen: Benedict, Julius
Rosenkranz, August
Erwähnte Kompositionen: Benedict, Julius : Die Bräute von Venedig
Erwähnte Orte: Berlin
Bonn
Kassel
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1845080201

http://bit.ly/

Spohr



Die beiden letzten erhaltenen Briefe dieser Korrespondenz sind Hesse an Spohr, 11.07.1845 und Spohr an Hesse, 11.07.1845. Hesse beantwortete diesen Brief am 22.08.1845.

[1] Spohr leitete beim Musikfest in Bonn Beethoven Missa solemnis und die 9. Sinfonie.

[2] Vgl. Allgemeine musikalische Zeitung 47 (1845), Sp. 807

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (26.10.2015).