Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Sr. Wohlgeboren
Herrn Doctor und Capellmeister
Spohr
in
Cassel.

Frey.
zollfrei.

Hierbey
ein Päckchen Musikalien,
gezeichnet L.S.


Hamburg, d. 3ten August 1844.

Hochgeschätzter Herr Doctor!

Nehmen Sie hierdurch meinen herzlichen Dank für Ihr gütiges Schreiben, so wie für die Mittheilung meines Adagio, welches hierbey wieder zurück folgt. Ohne diese Mittheilung wäre die Arbeit für mich verloren gewesen, da keine Abschrift außerdem existirte. Jetzt hat mein Sohn1 dieselbe besorgt. Überaus würde es mich erfreun, wenn Sie das Stückchen einmal durch eine Aufführung bekannt machen mögten, – NB. wenn Sie es einer solchen würdig finden. –
Die Benachrichtigung über Ihre neue, eigenthümliche Opern-Composition2 hat mich außerordentlich auf den Effekt gespannt und mich im Voraus mit einiger Freude erfüllt. Wenn bei der Ausführung die, oft so capriciösen Sänger, Orchestervirtuosen pp. ihre Aufgaben genau nach der Vorschrift lösen, so muß der Erfolg, wie mir scheint, durchaus ein sehr günstiger und überraschender seyn. Wie sehr wünschte ich mir doch einen solchen herrlichen, edlen Kunst-Genuß! – Aber hier hört man jetzt, mehr denn jemals! nur vom allmächtigen Geldcours, von Eisenbahn-Actien, von großen Häuserbauten, von Vereinen vielfacher Art, von Caffee, Thee, Indigo, Oel und Pflaumen, von ( – wenn von der lieben Kunst geredet wird! – ) Polkatänzen, Straußwalzern, Lisztschen Springereien pp. bis zum Ekel pauken, heulen und saalbadern! – Außerdem nimmt der Luxus auf eine grauenerregende Weise immer mehr überhand! „Wo soll das hinaus!“ hieß kürzlich die Überschrift eines Aufsatzes in einem hiesigen Blatte, diesen Gegenstand betreffend. Ist es nicht empörend, dergleichen in dem „unglücklichen, abgebrannten“ (rect: hoch- und übermüthigen) Hamburg erfahren zu müssen? –
Die Meinigen grüßen Sie und Ihre liebe Familie herzlich, und um Ihr ferneres, gütiges Andenken und um einen recht baldigen Besuch bittet besonders

Ihr ergebenster
J.F. Schwenke,
Adresse: Herrlichkeit N. 20.

NS.
Die noch hier beigelegten kleinen Compositionen von mir und meinem Bruder Carl bitten um freundliche Aufnahme.

Autor(en): Schwencke, Johann Friedrich
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Liszt, Franz
Schwencke, Carl
Schwencke, Friedrich Gottlieb
Strauß, Johann (Vater)
Erwähnte Kompositionen: Schwencke, Johann Friedrich : Adagio, Vl Orch, op. 36
Spohr, Louis : Die Kreuzfahrer
Erwähnte Orte: Hamburg
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1844080343

http://bit.ly/2Rzx8yk

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Spohr an Schwencke, 13.05.1844. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Schwencke an Spohr, 24.01.1847.

[1] Friedrich Gottlieb Schwencke.

[2] Die Kreuzfahrer.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Wolfram Boder (06.12.2018).