Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Brschwg am 17. Mai 1844 Mrgs.

Geliebter Onkel!

Der Tante Marianne Brief, welcher uns gestern Abend auf so höchst angenehme Weise überraschte und für den ich Ihr innigsten herzlichsten Dank zu sagen bitte, ist zu erfreulichen Inhaltes, als daß ich mich nicht beeilen sollte, durch eben so schnelles Antworten mich einigermaßen erkenntlich zu beweisen. Ich war gestern bis 9 Uhr mit der Tante Louise u Rosalien im musikalischen Verein gewesen, wo sich auch H. Assessor Otto befand, unterdeß war Euer Brief hier angelangt, ich lief erst schnell noch zu Otto, dem ich dadurch keine geringe Freude bereitete. Die Braunschweiger werden schon Alles aufbieten, um sich für die von Dir gezeigte Bereitwilligkeit dankbar zu beweisen. Otto (Secretair der Academie) will die Conferenz mit dem übrigen Vorstande nun schon auf morgen (Montag) zu verlegen suchen, spätestens ist sie aber am Mittwoch, ich werde dann unverzüglich bestimmte Nachricht erhalten und das Einladungsschreiben an dich nebst einem Begleitschreiben behuf Nachweisung der hiesigen disponiblen Mittel wird von Otto gleichfalls augenblicklich expedirt werden.1 Der Sänger werden wir ca 500 sein, wegen der Instrumente bedarf es nur eines Winkes von dir, um eine beliebige Verstärkung der schon recht großen hiesigen Kräfte zu veranlassen. Daß man Alles aufbieten wird um die Aufführung großartig und den früheren Musikfesten wenigstens ähnlich zu machen, verstand sich ja ganz von selbst. Die Capelle ermerklich ist (höchstens die Müllers2 ausgenommen) dir mit wahrhaften Enthusiasmus ergeben. Der Capellmeister Müller3, dem man inzwischen den Plan schon vorgetragen hat sich4 demselben factisch ebenfalls mit größter Energie hingegeben, und so hofft man in der freilich nun etwas kürzeren Zeit mit der5 Einübung doch sehr wohl zu Stande kommen zu können. – Wenn nur nicht ein zu früher Beginn der diesjährigen hiesigen Kunstausstellung (die dasselbe Lokal, die Ägidienkirche, reservirt(???)) uns einen Streich spielt, so wird sich Alles Andere schon arrangiren lassen.
Was den Ertrag der Aufführung betrifft, so würde derselbe nun frelich den Statuten der Academie gemäß nur6 zu deren fernerem Gedeihen verwandt werden dürfen; man würde aber gar zu gern noch einen 2ten großen Concerttag hinzufügen, dessen Ertrag von dir beliebig wohlthätigen Anstalten überwiesen werden kann.
Onkel7 u. Tante8 nebst den übrigen Verwandten sind schon in der Erwartung, Euch nun um so sicherer einmal wieder hier zu sehen, ganz glücklich und lassen auf das Herzlichste grüßen. Rosalie spielt dein Harfenduo recht fließig und mit gutem Erfolge und wird ihre Anstreungen nun wohl noch vollends verdoppeln. Ostern ward sie confirmirt und kann9 seitdem endlich mehr Zeit auf die Harfe verwenden.

Dein gehorsamer Neffe
W Krämer.

Autor(en): Krämer, Wilhelm
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Müller, Carl (Müller-Quartett 1)
Müller, Georg
Müller, Gustav
Müller, Theodor
Otto, Eduard
Spohr, Louise
Spohr, Marianne
Spohr, Rosalie
Spohr, Wilhelm
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Braunschweig
Erwähnte Institutionen: Hofkapelle <Braunschweig>
Musikfeste <Braunschweig>
Singakademie <Braunschweig>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1844051730

http://bit.ly/

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Krämer, 31.08.1839. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Krämer an Spohr, 11.08.1844.
Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief von Marianne Spohr an Wilhelm Spohr.

[1] Eduard Otto an Spohr, 01.06.1844.

[2] Die Brüder Carl, Georg, Gustav und Theodor Müller waren Mitglieder der Hofkapelle und als Müller-Quartett eines der führenden Ensemble.

[3] Georg Müller.

[4] „sich“ über der Zeile eingefügt.

[5] „der“ über der Zeile eingefügt.

[6] „nur“ über der Zeile eingefügt.

[7] Wilhelm Spohr.

[8] Louise Spohr.

[9] Hier gestrichen: „nun“.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (13.05.2022).