Autograf: letzter Nachweis siehe Druck 4
Abschrift: Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth (D-BHna), Sign. I B n S, Nr. 20
Druck 1: „Wagneriana. XVIII”, in: Allgemeine deutsche Musik-Zeitung 10 (1883), S. 396
Druck 2: Autographensammlung Ignaz Moscheles und Reserve Alfred Bovet bestehend zum größten Teil aus wertvollen Musikmanuskripten und Musikerbriefen. Versteigerung am 17. u. 18. November 1911 (= Katalog Liepmannssohn 39), Berlin 1911, S. 140 (teilweise)
Druck 3: Richard Wagners Gesammelte Briefe, hrsg. v. Julius Kapp und Emerich Kastner, Bd. 2, Leipzig 1914, S. 81f.
Druck 4: Autographen aus verschiedenem Besitz. Auktion am 3. und 4. Dezember 1963 in Marburg (= Katalog Stargardt 565), Marburg 1963, S. 121 (teilweise)
Druck 5: Richard Wagner, Sämtliche Briefe, Bd. 2, hrsg. v. Gertrud Strobel und Werner Wolf, Leipzig 1980, S. 320

Mein hochverehrter Meister,

so lange es mir nun noch versagt bleibt, meinen sehnlichsten Wunsch zu erfüllen – Sie Auge in Auge begrüssen und Ihnen mündlich mein Herz ausschütten zu können, kann ich leider nichts anderes thun, als von Zeit zu Zeit durch einige Zeilen mich Ihrem Andenken zu empfehlen und meinen gerührtesten Dank zu wiederholen. So lange ich lebe wird mir unvergesslich bleiben, wie überaus glücklich Sie mich gemacht haben und wie unendlich in Ihnen verpflichtet bin. Aus dem Munde der Künstler, die diesen Sommer von Kassel aus Dresden besuchten1, habe ich erst noch so recht erfahren, was Sie alles für mich thaten und mit welcher Consequenz Sie mich durch Ihren mir einmal angediehenen Schutz auszeichneten. Was ich bei diesen Berichten empfand, wird sich jeder leicht vorstellen können, wenn er mir nur einiges Gefühl zutraut: - leider wusste ich nur nicht, wie ich zu dem Allen kam, und wie ich diese Auszeichnung verdient haben konnte. Ich tröste mich damit, dass alles Glück, auch ohne Verdienst von oben kommt und wer wollte mit dem Schöpfer rechten, dass er Glückliche macht? Als ein reines Glück habe ich Sie gewonnen und will mich dessen ewig freuen; - ich will Sie verehren, lieben und mein Lebelang zu Ihrem Danke leben.
Zunächst aber wünsche ich Ihnen ein ungetrübtes Wohlsein, Freude und Glück in dem reichsten Maasse, als Sie es verdienen: stets zu vernehmen, dass dieser mein Wunsch in Erfüllung gehe, wird mich allezeit froh machen.

Der Ihrige mit Leib und Seele
Richard Wagner.

Dresden, 4. September 1843.

Erwähnte Personen: Birnbaum, Carl
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1843090443

http://bit.ly/2fRsDkC

Spohr



Der letzte erschlossene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Wagner, zwischen 15. und 28.06.1843. Der nächste überlieferte Brief dieser Korrespondenz ist Wagner an Spohr, 04.02.1845.
Sowohl Erstdruck als auch Abschrift verzichten auf die Verwendung des „ß“. Auch wenn sowohl die autograph erhaltenen Briefe Wagners als auch Druck 4 die Verwendung dieses Zeichens bei Wagner belegen, folgt diese Edition nicht der Entscheidung von Druck 3 und 5 an den entsprechenden Stellen „ss“ zu „ß“ aufzulösen, weil dies im Einzelfall spekulativ bleibt.
Am gleichen Tag wie diesen Brief verfasste Wagner auch einen Brief an Spohrs Theaterkollegen Carl Birnbaum, dem er das Textbuch seiner Oper Rienzi beilegte; er bat Birnbaum bei „unserm vortrefflichen Meister Spohr“ eine Aufführung zu befürworten (Inhaltsangabe in: Autographen. [...] Versteigerung zu Leipzig bei C. G. Boerner den 19. und 20. Februar 1907 (= Katalog Boerner 87), Leipzig 1907, S. 84; nachgedruckt in: Wagners gesammelte Briefe, S. 82; nicht vermerkt in Sämtliche Briefe, Bd. 2; nach Eberhard Wolff von Gudenberg, Beiträge zur Musikgeschichte der Stadt Kassel unter den letzten beiden Kurfürsten (1822-1866), Phil. Diss. Göttingen 1958, S. 152, Anm. 1 befand sich dieser Brief zu Zeit der Abfassung seiner Dissertation „im Privatbesitz des Herrn Bibliotheksrats Dr. Wolf v. Both, Kassel“).

[1] In seinem Brief an Minna Wagner, 30.06.1843, erwähnt Richard Wagner: „Aus Cassel war der Regisseur der Oper hier“ (in: Wagners Gesammelte Briefe, Bd. 2, S. 64ff., hier S. 66; Sämtliche Briefe, Bd. 2, S. 290ff., hier S. 291). Dabei handelt es sich um Carl Birnbaum.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (18.08.2017).