Marianne Spohr, Tagebuch von der Reise nach England 1843
Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. ep. 2.2.01, Bl. 11r

Dienstag d. 4ten

Vormittag mit C. und M. Taylor in schönen Läden und Bazar, dann mit Fr. v. Malsburg im Concert des Charles Filtch , der durch sein vollendetes Spiel Alles zur Bewunderung hinriß.1 Außerdem viel gesungen, innigst Lieder, auch mehrere von Spohr. Der Saal ganz anders arrangiert, der Flügel in der Mitte und die Zuhörerplätze rings darum her sehr hübsch. Die Damen besonders zahlreich und alle in sehr eleganter Morgentoilette. –
Spohr unterdessen beim Prinz Albert, der ihn zu diesem Besuch hatte auffordern lassen, sehr artig gegen ihn war und ihm den ganzen Buckingham-Pallace im Innern zeigen ließ. Dann das pompöse Fest-Diner in Greenwich, dass von einigen hundert Kunstfreunden und Künstlern Spohr zu Ehren veranstaltet war und ihm viel Freude machte.2 Zum Desert wieder schöne Musik. –
Fr. v. Malsb. und ich um 8 mit Mad. Benedict zur italien. Oper gefahren, das Haus prächtig und colossal, die berühmten Sänger Fornasaro, Mario, Lablache und Mad. Grisi gut, die Oper selbst aber „Don Pasquale“ v. Donizetti sehr schlecht und uninteressant, so daß im Ganzen dies der erste gleichgültige, wenn nicht langweilige Abend in England war. Nach 9 kamen Spohr und Benedict v. Greenwich auch hin und blieben bis zum Schluß der Oper, das folgende Ballet ließen wir aber alle im Stich.



Dieser Tagebucheintrag folgt auf den Eintrag 03.07.1843. Der nächste Eintrag ist 05.07.1843.

[1] Vgl. „Charles Filtsch‘s Matinee Musicale“, in: Musical Examiner (1843), S. 261ff.

[2] Vgl. „Spohr”, in: Literary Gazette (1843), S. 468f.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (08.06.2017).