Marianne Spohr, Tagebuch von der Reise nach England 1843
Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. ep. 2.2.01, Bl. 6v-7v

Donnerstag d. 29st.

Von früh Morgens an Visiten und Verehrer Spohrs, die theils ihn sahen, theils Handschrift oder andere Dinge von ihm wollten. M. Hobbs und Mrs. Rainforth zum Frühstück, um Spohr ihre Parthien aus d. Fall Babylons vorzusingen, welches Beide mit vielem Gefühl und zu Spohrs größter Zufriedenheit ausführten. Zwischendurch immer Besuche, unt. and.: H. Mühlenfeld, Hausmann, Mr. Alsager (Redacteur der Times), Musik-Enthusiast. – Vor Tisch Spaziergang nach Oxford-Regentstreet u.s.w. deren Pracht und herrliche Läden wir anstaunten, vor allem aber den köstlichen Pantheon Bazar, an dessen Herrlichkeiten man sich gar nicht satt sehen kann. Von da nach St. James-Pallace fahrend fanden wir alle Straßen in dessen Nähe dicht gedrängt voll Menschen, um die glänzenden Equipagen und Anzüge der zur Königinn fahrenden vornehmen Welt zu betrachten. – Abends fuhr Spohr zu einem Diner der Melodists, eingeladen vom Herzog v. Cambridge als Präsidenten dieser Gesellschaft. Spät um 10 Uhr ich mit Fr. v. Malsb. und Horsley in eine Soirée zu Moscheles’s, sehr weit in Regentspark wohnend, aber reizend eingerichtet. Wir hörten da den berühmten Violinisten Ernst, dessen affektiertes Spiel uns nicht recht zusagte, den wundervollen, 13jähr. Klavierspieler Filtsch, Schüler von Chopin, Moscheles selbst sehr schön, Mad. Satori (berühmte Adel. Kemble). Liebenswürdig besonders Mr. Benedict und Bennett. – ½ 1 fuhren wir sehr müde nach Haus. Spohr schon lange zurück, erzählte mir entzückt von seiner Fete1 und dem schönen Spiel Benedicts und Sivori’s, dem vom Herzog von Cambridge ausgebrachten Toast auf Sp., wofür er Deutsch danken mußte, u.dgl.m.



Dieser Tagebucheintrag folgt auf den Eintrag 28.06.1843. Der nächste Eintrag ist 30.06.1843.

[1] Vgl. „The Melodist’s Club”, in: Morning Post 30.06.1843, S. 5, auch gedruckt in: E, James, Camillo Sivori. A Sketch of his Life, Talent, Travels and Succecces, London 1845, S. 50ff.

Verschlagwortung: Friedrich Frick, Kommentar, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (25.05.2016).