Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287[David:10

Hochgeehrter Herr Kapellmeister!

Ein reuiger Sünder erscheint vor Ihnen und bittet um Absolution. Vor mehreren Wochen schon übernahm ich es: Ihnen die Schubertsche Symphonie und die Bennettsche Ouverture zu senden und erst heute gehen sie von hier ab. Zu meiner Entschuldigung kann ich nur anführen daß meine arme Frau1 gefährlich krank geworden ist und ich dadurch mit allen meinen Geschäften so sehr in Unordnung gekommen bin daß ich jetzt erst alles Versäumte nachholen kann. Zürnen Sie mir also nicht, in der Folge verspreche ich prompter zu seyn. Die Schumannsche Symphonie besitzt das Gewandhausconcert nicht, sonst hätten Sie auch von dieser Duplirstimmen erhalten, da ich höre daß Herr Schumann 1 Exempl. gesendet hat. - Von unsern Musikkritiken wird Ihnen H. Hauptmann wohl ausführlich referirt haben2 daher ich über dasselbe nichts Neues recht zu melden habe.
Mit Freuden höre ich daß Sie an einer neuen Ouverture arbeiten, Sie können denken wie willkommen diese unsern Conzerten seyn wird. - Die Mendelssohnsche Symphonie ist jetzt gedruckt und sobald dieselbe im Gewandhaus aufgeführt seyn wird werde ich Sie Ihnen zusenden. Die Verhulstsche Ouverture hat das Conzert nicht. - Von fremden Geigern erwarten wir in diesem Winter noch Ernst und Vieuxtemps. - Daß Hilf die Stelle in Ihrer Kapelle erhalten hat ist mir ein Beweiß daß er zu Ihrer Zufriedenheit gespielt hat, möchte er nur immer fleißig fort arbeiten und sich Ihres Rathes zu erfreuen haben. - Mit der Bitte mich Ihrer Frau Gemahlin bestens zu empfehlen und mit vielen Grüßen von meiner Frau Ihr

in größter Verehrung
freundschaftlich ergebener
Ferdinand David

Leipzig d 30sten Nov. 1842.



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an David, 26.09.1842. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist David an Spohr, 24.04.1843.

[1] „Frau“ über der Zeile eingefügt.

[2] Vgl. Moritz Hauptmann an Spohr, 03. und 05.11.1842.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (06.06.2017).